(96) Ben Endzweig war ganz sachlich…

von Alain Fux

Ben Endzweig war ganz sachlich, als Peggy eine Woche später anrief und sich erkundigte, wann die Produktion von ‚Swinging by‘ stattfinden würde. Er erklärte ihr, dass die Studioaufnahmen bereits abgeschlossen seien. Peggy war still. Endzweig fragte, ob sie noch dran sei und dann, ob sie den Vertrag missverstanden habe? Er habe die Rechte an dem Song gekauft. „Das heißt, ‚Swinging by‘ wird nicht von BTK eingespielt?“ – „Nein“, antwortete er, „das habe ich auch nie gesagt. BTK ist eine Punkband, das würde gar nicht zu der Serie passen.“ Es war wieder still in der Leitung und dann sprach sie mit gebrochener Stimme: „Ich habe verstanden. Das war dann wohl ein Missverständnis…“ Sie legte auf.

Ben fand die Vorstellung abstrus, dass die speckigen Punkrocker den Song spielen würden. Er war am Tag vorher bei der Aufzeichnung dabei gewesen. Neues Arrangement, opulente Streicherpassagen von Studiomusikern eingespielt, perfekte Professionalität. Die Vorabmischung mit dem Videotrack des Serientitels hatte perfekt gepasst. Der Entwicklungsregisseur hatte ihm auf die Schultern geklopft. Alle waren happy. Eigentlich unvorstellbar, dass dieser tolle Song von diesen kaputten Punkern kommen konnte. Er lehnte sich in seinem Ledersessel zurück und drehte sich zufrieden zum Fenster, durch das die warmen Strahlen der Mittagssonne fielen. Ein Gedanke ging ihm durch den Kopf. Er drehte sich zurück zum Schreibtisch und ergriff noch einmal den Telefonhörer. Mit einem Tastendruck wählte er die letzte Nummer. Peggy war in der Leitung, sie schien zu weinen. „Ich rufe an wegen des Vertrags und weil es wegen des Inhalts wohl ein Missverständnis gab. Deshalb wollte ich Sie darauf hinweisen, dass wir den Song gekauft haben und dass ohne unsere Zustimmung BTK den Song nicht mehr spielen darf.“ Er machte eine Pause, Peggy schwieg. „Und ich kann Ihnen bereits jetzt sagen, dass unsere Produktionsfirma BTK diese Erlaubnis leider nicht geben wird, weil es nicht im Interesse der Serie sein würde. Das wollte ich noch einmal klarstellen. Alles Gute, Ihnen und der Band. Grüßen Sie Ted von mir. Wirklich ein Wahnsinnssong.“ Er legte auf und drehte sich wieder zu dem hellerleuchteten Fenster hin.

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