(85) Mit seinen dunklen Augen starrte der kleine Mandrill…

von Alain Fux

Mit seinen dunklen Augen starrte der kleine Mandrill neugierig durch das Glas. Den weißen Teil des Augapfels konnte man sehen, wenn er den Kopf zur Seite bewegte, um zu seiner Mutter zu schauen. Sonst waren seine Augen fast schwarz und schauten Maria an. Der Affe sah sehr ernsthaft aus, freundlich, aber er schien auch etwas traurig zu sein.

Maria trat ganz nahe an die Scheibe, sodass sie von ihrem Atem beschlug. Sie legte eine Hand flach an die Scheibe. Der Mandrill beugte sich etwas vor, als ob er an ihrer Hand schnüffeln wollte. Dann hob er seine eigene schwarze Pfote und legte sie auf seiner Seite an die Scheibe. Passgenau zu Marias Hand. Dabei schaute er sie mit dem gleichen Gesichtsausdruck weiter an. Maria hatte einen genauso ernsten Gesichtsausdruck und legte jetzt auch ihre linke Hand an die Scheibe. Im gleichen Rhythmus legte auch der Mandrill seine rechte Pfote an die gleiche Stelle und fixierte sie weiter.

So verharrten sie lange Momente, jeder versunken in den Augen auf der anderen Seite der Verglasung. Das Gekreische der anderen Affen und der Schulkameraden hörte Maria nicht mehr, es wurde sehr ruhig um sie herum. Ihr Blick hatte alles andere ausgeblendet und sie sah nur noch die Augen des Mandrills, eingerahmt von ihren Händen und den Armen des Affen auf der anderen Seite der Glasscheibe.

Ihre stille Kommunikaton wurde gestört von der Mutter des Mandrills, die zuerst an ihrem Sohn zupfte und, als er nicht reagierte, ihn einfach von der Scheibe wegzerrte. Auch im Weggehen drehte der Kleine seinen Kopf noch zu Maria und versuchte, ihren Blick zu halten. Traurig ließ Maria die Hände wieder sinken. Die Umrisse ihrer Hände waren noch in dem Beschlag ihres Atems zu sehen.

„Maria“, rief eine Stimme, wahrscheinlich zum wiederholten Male. „Maria“, wiederholte Adam, „kommst du mit, wir wollen uns jetzt die Geparde anschauen. Das sind sehr schöne, große Katzen, die extrem schnell laufen können.“ Maria ergriff Adams Hand und trottete mit ihm aus dem Affenhaus.

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