(84) „Na, geht’s noch?“

von Alain Fux

„Na, geht’s noch?“, Adam drehte sich um und sah zu seinem Vater, der sich durch das Heidekraut den Berg hochkämpfte. Es war zwar noch recht früh am Morgen, aber die Temperaturen an dem Südosthang waren schon sehr hoch. Beide Männer hatten ihre Hemden ausgezogen und an ihre Wanderrucksäcke gehängt.

„Wandern ist keine Frage der Schnelligkeit“, entgegnete Anthony Ritchley. „Sondern der Ausdauer“, vervollständigte sein Sohn lachend. Es war wohltuend für Adam, dass er sich mit seinem Vater nun besser verstand als in seiner Jugend. Nur zögerlich hatte er nach dem Achterbahn-Debakel gefragt, ob er für ein paar Tage nach Hause kommen könne. Er war erleichtert, als sein Vater ihn mit offenen Armen empfing. Aus den paar Tagen waren jetzt drei Jahre geworden und es würden wohl einige mehr werden. Adam hatte beschlossen, das Angebot seines Vaters anzunehmen und die Leitung der Privatschule anzutreten. Ein bisschen hatte sein Vater den Triumph ausgekostet, als er bemerkte, dass Adam doch jetzt froh sein müsste, auch noch einen Abschluss als Lehrer in der Tasche zu haben. Damals hatte Adam das Studium nur auf Druck seines Vaters abgeschlossen, denn viel lieber hätte er sich gleich vollständig der Bühne gewidmet.

Jetzt machte ihm der Beruf Spaß und er konnte sich vorstellen, seine ganze Kraft darin zu investieren. Die hügelige Heidelandschaft, in der die Schule lag, hatte ebenfalls ihren Reiz. Er war von seinem persönlichen Tiefpunkt wieder aufgestiegen zu einem Zustand großen Glücks. Manchmal dachte er nach, ob eine Therapie ihm nützen könnte, aber jedes Mal verwarf er den Gedanken. Vor ein paar Tagen sollte er als zusätzliche Begleitung des Klassenlehrers eine Schulklasse in einen Vergnügungspark begleiten. Als er aber auf der Broschüre sah, dass die große Attraktion des Parks ein Roller Coaster war, hatte er sein Privileg als stellvertretender Schulleiter ausgenutzt und stattdessen einen Ausflug in den Zoo mit anschließender Schiffsfahrt unternommen. Allein das Foto der Achterbahn mit ihrem Looping hatte ihm den Magen zugeschnürt und seine Handflächen waren feucht geworden.

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