(75) Sie pflanzten sich auf eines der Sofas

von Alain Fux

Sie pflanzten sich auf eines der Sofas, die nach unten durchhingen und scheinbar nur noch aus kompostierten Kissen bestanden. Ein Beamer warf Skateboard-Videos an die Wand gegenüber und auf die Typen, die davor standen, sich aber von den Bildern nicht beeindrucken ließen. Der Kleidung nach zu urteilen waren die Skateboarder aus einer anderen Zeit. Jonathan blieb an den Stunts hängen. Bewegte Bilder forderten seine ganze Aufmerksamkeit. Ein Skater nahm Anlauf und fuhr mit seinem Board eine abschüssige Straße hinunter, auf einen Sportwagen zu, der quer über die Straße geparkt war. Kurz davor sprang er ab, über den Wagen. Das Skateboard fuhr unter dem Wagen durch. Auf der anderen Seite landete der Skater wieder darauf und fuhr weiter. Fade to Black, dann nochmal das Ganze in Zeitlupe. Anschließend ein Bündel von 360°-Drehungen, die sehr clever ineinander geschnitten waren. Jonathan hatte Lust, mal etwas über Skateboarder zu schreiben. Sein letztes Stück über die Schachheinis war lahm. Er hatte über sie geschrieben, weil er sie jeden Tag sehen konnte, wenn er auf der Suche nach Inspiration aus dem Fenster schaute. Irgendwie war es auch egal. Zu Ende gedacht, war alles langweilig.

Betty war von einem Ghetto-Touri angequatscht worden. Er sagte ihr, dass der Mann neben ihr (also Jonathan) ihm irgendwie bekannt vorkam. Wer das denn sei? Betty lächelte nur blöd zurück und kuschelte sich wieder an Jonathan. Letty brachte noch Biere, die sie auf seine Rechnung gekauft hatte. „Im Ernst“, der Touri machte noch einen Anlauf, „wer ist das?“ Betty drehte sich zu Jonathan: „Wer bist du? Der Typ hier will wissen, wer du bist. Und ich will es verdammt noch mal auch wissen.“ Jonathan wandte sich kurz weg von den flimmernden Bildern zu dem Touri. „Bist du von der Polizei?“, fragte er zurück. Der Banker schüttelte den Kopf. „Dann is‘ ja gut“, entgegnete Jonathan. „Wenn du willst, kannst du mitkommen, wir gehen gleich noch mal woanders hin. Hier geht heute nix mehr.“ Anton, der Banker und Teilzeit-Ghetto-Tourist, sagte nur: „OK, gute Sache.“

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