(74) Jonathan sicherte und schloss die Datei.

von Alain Fux

Jonathan sicherte und schloss die Datei. Es reichte für heute. Jetzt wollte er sich amüsieren. Ein paar Tausend seiner Gehirnzellen hatten ihren Lebenswillen verloren und warteten nur darauf, einen Abgang zu machen. Er klappte den Laptop zu. Am liebsten schrieb er nur mit einer Unterhose bekleidet. Er roch, zuerst unter seiner rechten, dann seiner linken Achsel, dann an dem T-Shirt, das er sich überzog. Das T-Shirt trug das Logo der Rolling Stones. „Warum nicht“, hätte Jonathan auf Anfrage geantwortet, „solange ich mir die Musik nicht anhören muss.“ Er stieg in seine Skinny Jeans und zog den Gürtel mit den Pyramidennieten fest. Dann verließ er die Wohnung, eierte auf seinen ausgelatschten Chuckies die Treppe hinunter und stand schließlich auf dem kleinen Platz mit den Bäumen und dem mittlerweile verwaisten Betontisch. Er tat, als ob sich überlegte, wohin er gehen wollte. Aber die Wahl war natürlich schon längst gefallen, weil er jeden Abend im ‚Two Step Posse‘ abhing.

Keiner wusste, warum das ‚Two Step Posse‘ ‚Two Step Posse‘ hieß. Als man auf die Kneipe aufmerksam geworden war, hieß sie bereits so und vorher hatte es niemand bemerkt. „Posse ex machina“, nannte Jonathan die Kneipe. ‚Posse‘ klang bei ihm wie ‚Pussy‘, es war wahrscheinlich gewollt.

Als er zur Tür hereinkam, stürzten sich gleich seine zwei Groupies auf ihn, Letty und Betty. Letty, eine zierliche, beidarmig tätowierte blondierte Japanerin, heute in tigergemusterten Satinbelltops mit gematchtem Muskelshirt. Betty, ein spitznasiges Gothgirl mit einladendem Hintern und vollem Kussmund. Er hatte beide vor ein paar Tagen kennen gelernt und irgendwie waren die beiden an ihm kleben geblieben. Jonathan legte seine Arme um die beiden, pflückte seine Zigarette aus dem Mund, atmete den Rauch aus, um ihn gleich wieder durch die Nase zu inhalieren. Sein T-Shirt rutschte hoch und Betty spielte an den Haaren, die von seinem Nabel südwärts wuchsen. „Ey, was geht’n hier?“, nuschelte Jonathan. Letty antwortete: „Ey, hier geht doch nichts.“ Betty lachte und schob ihre Finger eine Etage tiefer.

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