(66) Die Flasche Wodka war noch gut halbvoll…

von Alain Fux

Die Flasche Wodka war noch gut halbvoll, als sie wieder bei Stefan ankam. Sie setzten sich auf die Terrasse hinter dem Haus und schauten in die Ferne. Die Sonne war untergegangen, aber es war immer noch warm. Sie hatten zwei Liegestühle nebeneinander gestellt, auf dem einen lagen Stefan und Jacqueline, auf dem anderen Oliver und Claudia, jeweils hintereinander. Stefan streichelte Jacquelines Brüste durch ihr T-Shirt und nahm einen Schluck aus der Flasche, bevor er sie an Jacqueline weitergab. „Guerra heißt er, der Gangster. Jetzt fällt es mir wieder ein“, sagte Stefan. „Haben wir das Fernglas noch? Man müsste das Haus von der Mansarde aus gut einsehen können.“ – „Nee, das Fernglas ist noch im Strandhaus, hehe…“ – „Stimmt, hehe“, antwortete Stefan. „Warum lacht ihr dabei so dreckig“, fragte Jacqueline und reichte Claudia die Flasche. „Hehe“, lachte Oliver weiter, „das ist etwas, delikat, wie Mutter sagen würde.“- „Genau, äußerst delikat“, pflichtete Stefan bei. „Ach komm, erzähl doch“, bat Claudia und gab die Flasche weiter an Oliver. Oliver und Stefan erzählten dann abwechselnd die Geschichte aus dem letzten Sommer.

Die Familie war gemeinsam auf Sylt gewesen, in dem Haus, das sie Strandhaus nannten. An einem Nachmittag waren alle unterwegs, bis auf Werner Rehberg, der Vater der Zwillinge. Die Zwillinge kamen früher zurück als erwartet. Aus dem Hausinneren konnten sie unbemerkt beobachten, wie ihr Vater von der Veranda des Hauses mit einem Fernglas hinunter zum FKK-Strand schaute. Er saß breitbeinig auf dem Rattansessel, die Hose auf seinen Füßen. Mit der freien Hand masturbierte er. Sein Atem ging stockend und auf der Stirn hatte er Schweißperlen. Die Brüder grinsten einander zu, schlichen sich nach unten, warfen von innen die Haustür ins Schloss und rannten laut und schnell die Treppe hoch.

Ihr Vater hatte sich in aller Eile ein Kissen auf den Schoß gelegt und mit den nackten Füßen die Hose unter den Sessel gefegt, als sie oben ankamen. Er war puterrot im Gesicht und konnte kaum reden. Die Zwillinge quälten ihn ein wenig mit ihrer Präsenz und gingen dann lautlos grimassierend wieder nach draußen. Später tat es ihnen leid, kein Foto gemacht zu haben, es hätte irgendwann mal nützlich sein können.

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