(62) Feldmann trank einen großen Schluck Bier.

von Alain Fux

Feldmann trank einen großen Schluck Bier. „Es fing vor sechs Monaten an. Die große Industriellenvilla am Hang sollte verkauft werden und es gab Gerüchte, dass reiche Ausländer sie sich unter den Nagel reißen wollten. An sich ist dagegen nichts einzuwenden. Der Makler wollte aber nicht herausrücken, wer der Käufer war. Das war seltsam. Als erster war wohl der Bürgermeister eingeweiht, der aber auch jetzt noch alles abstreitet. Eine Verschwörung.“ Bisher eher ruhig, redete sich Feldmann nach und nach in Rage. Die Fakten, die er Rombach präsentierte, waren folgende: Die Villa war an einen ausländischen Millionär namens Antonio Guerra verkauft worden. Gerüchte besagten, dass es sich dabei um den Chef eines Verbrechersyndikats handelte, der sein Geld mit Drogenhandel und Prostitution verdiente. Feldmann und seine Mitstreiter hatten alles versucht, um den Verkauf an Guerra zu verhindern, waren aber auf der ganzen Linie gescheitert. Guerra hatte die Villa bezogen und seitdem ging, Feldmann zufolge, Bad Buchtal vor die Hunde. Inzwischen hatten die Mitstreiter von Feldmann aufgegeben und sich mit der Situation abgefunden. Nur Feldmann nicht, er wollte weiter kämpfen.

Rombach dachte nach und erzählte Feldmann dann seine Geschichte. Er zeigte ihm das Foto noch einmal, berichtete von Eva und von ihrem Tod nach monatelanger Krankheit. Er beschrieb, wie er das Foto gefunden hatte und was er in den letzten Tagen unternommen hatte. Auch er war nicht erfolgreich gewesen. Er wusste jetzt genauso viel wie am Anfang.

„Es bringt nichts“, Rombach schüttelte den Kopf. „Ich werde es nicht herausfinden und es ist es nicht wert, dass ich mich damit bis ans Ende meiner Tage befasse. Ich hatte eine sehr schöne Zeit mit Eva, die kann mir keiner nehmen, auch der nicht.“ Er deutete auf das Foto, nahm es in beide Hände und zerriss es in viele kleine Schnipsel, die er zu einem Häufchen aufschichtete. „Und Sie sollten es vielleicht auch so machen. Wenn Señor Guerra hier Mist baut, wird man ihn einsperren. Lassen Sie sich nicht von anderen beeinflussen. Leben Sie Ihr eigenes Leben.“

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