(58) Monika war sich nicht sicher…

von Alain Fux

Monika war sich nicht sicher, ob sie im Gespräch richtig reagiert hatte. Sie hatte den Eindruck, dass Meinholt vor ihr geflüchtet war. Sie grübelte noch, als Olaf Bartels sich auf Meinholts verwaisten Sessel setzte. „Ich darf doch?“, fragte er. „Klar, gerne“, antwortete sie. „Und wie gefällt es dir beim Film? Ich hoffe, der Herr Burgschauspieler törnt dich nicht zu sehr ab.“ Monika hatte bereits gemerkt, dass es ständig Reibereien zwischen Meinholt und Bartels, dem Kameramann, gab. Meinholt fand meistens, dass er sehr unvorteilhaft ausgeleuchtet sei und legte sich mit Bartels an, der aber auch nicht nachgab. „Ein Cola-Rum“, bestellte Bartels beim Bartender. Dann erzählte er von sich, seiner wunderbaren Karriere und seinem absoluten Auge. „Hattest du vorher schon mit Horst gedreht?“, warf sie in einer Gesprächspause ein. Bartels nickte mit schwerem Kopf. „Vor einem Jahr. Irgendeine Sülzgeschichte in Irland. Ich war alt und brauchte das Geld. Eines Abends hat eine Kollegin Horst beiläufig gefragt, ob er sich mal um ihre Muschi kümmern könne. Dann gab sie ihm ihren Zimmerschlüssel. Du hättest Horsts Gesichtsausdruck sehen müssen. Es war spät und wir gingen nacheinander gähnend hoch. Als es ruhiger geworden war, sah Horst seine Zeit gekommen. Er öffnete die Tür von Zimmer 103, das werde ich nie vergessen. Es war dunkel und er machte kein Licht. Er zog sich aus, legte sich ins Bett. Er tastete etwas unter der Decke herum. Dann suchte er plötzlich hastig nach dem Lichtschalter, fegte fast die Stehlampe vom Nachttisch. Als das Licht endlich brannte, nahm er ganz verstört die Katze wahr, die neben ihm im Bett lag und ihn mit großen Augen fixierte. Da konnten wir das Lachen nicht mehr unterdrücken und brachen brüllend hinter dem Vorhang hervor.“ – „Alle?“ – „Die halbe Crew, inklusive der Kollegin, unserem Lockvogel. Es war ein Bild für die Götter. Unter uns: Er hat einen sehr kleinen Schniedel.“ Bartels trank seinen zweiten Cuba Libre aus und erhob sich. „Manchmal ist es beim Film etwas rauer“, erklärte er, „aber immer nur für die, die es verdienen. Also keine Bange. Ich freue mich, dass du im Team bist.“ Er klopfte dem Best Boy, Bernd Funke, der kurz vorher ins Kaminzimmer gekommen war, auf die Schulter und trat in die Lobby hinaus.

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