(35) Iskender wartete im Eingangsbereich des Hamam.

von Alain Fux

Iskender wartete im Eingangsbereich des Hamam. Den Eintrittspreis hatte er bereits für Anke mit bezahlt. Sie war sich nicht sicher, was sie erwarten würde, denn sie war noch nie zuvor in einem Hamam gewesen. Sie bekam ein kariertes Leinentuch und eine runde Metallschale von der Dame an der Kasse in die Hand gedrückt. Als sie damit etwas ratlos dastand, nahm sie eine junge Türkin, die hier arbeitete, mit in den Frauenbereich. Iskender winkte ihr nach und sagte, sie würden sich gleich zum Entspannen wiedersehen. Anke bekam einen Schnellunterricht in Sachen Hamam: wie sie das Tuch wickeln musste, was sie mit der Metallschale anfangen sollte, was man hier unter einem Peeling verstand und noch vieles mehr.

Kurze Zeit darauf lag sie auf einer Marmorplatte und eine korpulente Frau mit massigen Armen übergoss sie mit Wasser. Dann bohrte sie mit ihren Fingern in Ankes Rücken und schien auf der Suche nach einzelnen Wirbeln zu sein.

Die Masseurin sprach hin und wieder einzelne Worte, die Anke aber nicht verstand. „Kese“, erklärte die Frau jetzt und rieb ihr die Haut ab mit einem Tuch, das sich anfühlte wie eine Drahtbürste. ‚Das muss das Peeling sein‘, dachte Anke, konnte aber nicht nachfragen, denn jetzt wurde sie mit einem Pinsel von Kopf bis Fuß eingeseift. „Sabunlama“, hörte sie durch den Schaum. Das war angenehm, bis sie von einem Schwall kalten Wassers übergossen wurde. Am Ende wickelte sie sich in das hingehaltene Frotteetuch und wurde in einen Raum geschoben, in dem bereits andere Gäste auf Ruhebetten lagen.

Eine Frau in einem blauen Seidenkimono schaute zu ihr hinauf und meinte: „Sie sind zum ersten Mal hier? Warten Sie eine Stunde, dann fühlen Sie sich so richtig gut.“

Die Masseurin brachte Anke zu Iskender, sagte ihm etwas und kicherte dabei. Anke setzte sich auf das Ruhebett neben ihm und streckte sich aus. „Na, wie war es?“, fragte er und strahlte sie an. „Aufwühlend“, meinte sie, was er mit einem kehligen Lachen quittierte. Sie tranken Tee zusammen und Iskender erklärte ihr die lange Kultur der Hamams. Anke hörte ihm zu und stellte fest, dass sie nicht einmal wusste, ob Iskender verheiratet war oder nicht.

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