(26) Alex Lewis saß an seinem Schreibtisch…

von Alain Fux

Alex Lewis saß an seinem Schreibtisch, las ein Buch und kaute an dem zersplitterten Ende eines Bleistifts, als es an der Tür klopfte. Professor Scott kam herein, setzte sich in den Sessel neben dem Schreibtisch und führte seine Fingerspitzen vor dem Gesicht zu einem gleichschenkligen Dreieck zusammen. Die beiden Spitzen seines zerzausten weißen Bartes hingen symmetrisch unter dem Dreieck heraus.

„Wie sieht es aus?“, erkundigte er sich.

„Es ist unfassbar“, antwortete Alex, „je mehr ich suche, desto mehr Beweise finde ich. Die Vierheit zieht sich wie ein roter Faden durch unsere ganze Geschichte, noch weit vor den Pythagoreern.“

„Ich wusste es“, erwiderte Scott, seine Unterlippe stülpte sich kurz über die Oberlippe. „Die Tetraktys ist so alt wie die Menschheit. Alles baut darauf auf. Wir brauchen eine vollständige Bestandsaufnahme. Das ist eine Sensation.“

„Ich lese gerade einen Bericht über Ausgrabungen in Serbien“, führte Alex weiter aus. „Die Häuser von Lepenski Vir, einer Siedlung aus der Steinzeit, sind alle auf diesen Dreiecken aufgebaut.“

„Gute Arbeit. Wir müssen das alles dokumentieren. Sie dürfen nichts auslassen. Jenkins wird Ihnen dabei helfen.“

Wie auf Zuruf klopfte es erneut und Jenkins trat herein. In seinem langen Gehrock und dem Zylinder schien er am College völlig fehl am Platz. Aber da er seiner Arbeit diskret nachging, sah man wohl über seine Marotten hinweg. Er legte Alex einen Zettel auf den Schreibtisch, auf dem in krakeliger Schrift Bücher aufgelistet waren, die Alex noch durcharbeiten sollte.

Professor Scott erhob sich, klopfte Alex auf die Schulter und verließ den Raum. Jenkins folgte ihm. Alex betrachtete die Liste. Sie war sehr lang und es würde ihn viel Kraft kosten, sie abzuarbeiten. Als er wieder aufschaute, stand Felix vor ihm. „Du weißt, dass Scott dich schamlos ausnutzt. Du machst die Arbeit und er erntet die Lorbeeren. Du musst dich nicht darauf einlassen, Alex.“ – „Aber ich will es so, es ist sehr wichtig, weißt du.“

Felix legte den Kopf auf die Schulter, die Enden seiner Antennen wippten hin und her. „Es geht um dich, Alex. Pass auf dich auf. Es geht um dich.“

Er legte die drei Finger seiner rechten Hand auf Alex‘ Arm und drehte sich um. Sein glänzender Raumanzug reflektierte das Licht der Schreibtischlampe auf Alex, der sich geblendet abwenden musste. Als er wieder sehen konnte, war Felix weg.

Advertisements