(21) Es war kalt, dunkel und nass.

von Alain Fux

Es war kalt, dunkel und nass. Außerdem war Martha Gaus später dran, als sie es geplant hatte. Jetzt war es nicht sicher, ob sie noch Lebensmittel kaufen konnte im Laden an der Ecke. Mit schnellen Schritten eilte sie voran. Im Laden war noch Licht an, vielleicht hatte sie ja Glück.

Der Ausländer war gerade dabei, die Gemüsekisten hinein zu tragen. Er wollte wohl gerade schließen. „Halt“, rief sie, „ich brauche noch etwas.“

Der Ausländer drehte sich zu ihr. „Keine Eile, wir haben noch geöffnet.“ – „Aber Sie schließen doch gerade“, antwortete sie, etwas trotzig. Sie betrat an ihm vorbei den Laden und stellte sich vor die Käsetheke. „Viel ist ja nicht mehr da“, bemerkte sie. „Es tut mir Leid, aber es ist Weihnachten und es waren heute viele Kunden da…“, entschuldigte er sich. „Ach ja, Weihnachten“, meinte sie ironisch, „das entschuldigt wohl alles heute.“ Der Ausländer schwieg und ging wieder nach draußen, um einen weiteren Karton herein zu holen. „Sie sind ja doch am Schließen“, rief sie ihm nach. „Es besteht überhaupt keine Eile, suchen Sie in Ruhe, was Sie brauchen“, bekräftigte er.

Sie drehte sich abrupt um und wandte sich zum Kühlregal. Sie nahm einen Liter Magermilch und eine Schachtel mit Käseecken zum Schmieren. Beides stellte sie vor die Kasse.

„Gibt’s denn wenigstens noch Brot?“, fragte sie. „Leider kein frisches Brot. Aber wie wäre es mit Knäckebrot?“ – „Das geht nicht“, schrie sie ihn an, „ich trage ein Gebiss. Ich kann das Zeug nicht essen!“ – „Entschuldigung, das wusste ich nicht.“ Er tippte die beiden Artikel in die Kasse, auf der oben eine einsame Weihnachtskugel festgeklebt war. Sie zahlte, schob die Waren in ihre Handtasche und ging aus dem Laden.

„Frohe Weihnachten“, rief er ihr nach. Sie blieb einen Moment stehen, atmete tief ein und aus, schüttelte den Kopf und ging weiter.

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