(20) Als Ulli die Augen wieder öffnete…

von Alain Fux

Als Ulli die Augen wieder öffnete, stand er vor einem großen, geschmückten Weihnachtsbaum. Die Kerzen waren angezündet, unter dem Baum lagen mehrere lange Geschenkpakete. Es roch nach Lebkuchen. Ulli drehte sich um. Hinter ihm war eine grüne Holztür. Erschrocken trat er einen Schritt zurück. Die Tür blieb aber still und vor allem verschlossen.

„Ulli“, rief eine Stimme hinter ihm, „was starrst du die Tür an. Komm, es ist Bescherung!“ Seine Mutter war ins Wohnzimmer gekommen und strahlte ihn an. Hinter ihr stand sein Vater und lächelte ebenfalls. Sein Bruder und seine Schwester kamen auch herein und setzten sich auf das Sofa vor den Weihnachtsbaum.

Martha, die Haushälterin, brachte Gebäck. Auch sie sah glücklich aus, wischte sich die Hände an der Schürze und stellte sich neben dem Baum auf.

„Erst singen wir noch ein Lied“, entschied die Mutter. „Nichts würde mir mehr Freude machen.“ – „Gerne, Mutter“, sagte Gregor, Ullis Bruder. Und Grete fügte hinzu: „Ja, natürlich.“

Sie sangen gemeinsam „Stille Nacht“. Grete zwinkerte Ulli zu, während sie sangen und Vater legte den Arm um seine Kinder. Martha hatte für ihr Alter noch eine sehr gute Stimme und die Mutter nickte ihr anerkennend zu.

„Das war schön“, seufzte die Mutter glücklich und räusperte sich. „So, und jetzt dürft ihr eure Geschenke auspacken.“ Doch bevor es dazu kam, musste die Mutter noch ein Unglück verhindern. Eine Kerze war den Tannenzweigen zu nahe gekommen und ein paar Nadeln hatten zu brennen angefangen. „Aus, aus, du kleine Kerze!“, scherzte die Mutter und löschte das Feuer.

Gregor saß auf den Knien vor dem Weihnachtsbaum, nahm die Pakete in die Hand, las den Namen vor, der fein säuberlich in einer Ecke aufgeschrieben war und gab das Paket an seinen Empfänger weiter. Alle Kinder hatten ein längliches Paket erhalten, der Vater bekam einen Würfel und die Mutter eine Kugel. Die Kugel war eine Salatschleuder, wusste Ulli, und der Würfel eine Schreibtischgarnitur. Die anderen Pakete kannte er nicht, denn sie waren ja von den Eltern.

Säuberlich öffneten die Kinder ihre Pakete. Jedes der Kinder bekam einen schönen Walther Karabiner 43 und alle freuten sich riesig.

Nach der Bescherung verabschiedete sich Martha. Das war in Ordnung, denn schließlich war Weihnachten.

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