(15) Vor dem Haus stand Elsy Roberts…

von Alain Fux

Vor dem Haus stand Elsy Roberts, eine ergraute Mittvierzigerin, die mit den Tränen rang. Vor ihr Gene Cooper, ein Journalist des lokalen Wochenblattes, der sie zu den Ursachen des Feuers befragte. Ein Fotograf stakte zwischen den Schläuchen umher und suchte den besten Blickwinkel. Immer wieder verscheuchten ihn die Feuerwehrleute. Neben Frau Roberts war ein mittelgroßer, kompakter Mann im grauen Anzug mit rot gepunkteter Krawatte, einem Schnauzbärtchen und einer dunklen Sonnenbrille. Cooper fragte sich, ob er Frau Roberts Ehemann sein könnte, verwarf die Idee aber gleich wieder.

Im Hintergrund führte ein Feuerwehrmann einen Polizisten durch das Chaos. „Ein Irrer hat Superman in die Flammen geworfen“, berichtete der Feuerwehrmann. – „Superman?“ – „Eine Puppe. Lebensgroß. Aber wenn die in Flammen steht, siehst du keinen Unterschied…!“ – „Superman brennt doch gar nicht… Sorry, das war ein Scherz.“ – „Cornel lacht später, er hat Rauchvergiftung, sein Atemschutzgerät hat versagt…“

Der Journalist räusperte sich. „Frau Roberts, was ist passiert?“ Die Frau schluckte. „Es ist ein großes Unglück. Ich habe mein Zuhause verloren. Jetzt sitze ich auf der Straße.“ Cooper nickte mitfühlend. „Wie hat es denn angefangen, Frau Roberts?“ – „Auf einmal brannte es. Ich war in der Küche und machte mir etwas zu essen. Dann roch es verbrannt. Als ich dem Geruch nachging und die Kellertür öffnete, schlugen mir die Flammen entgegen. Und als ich in die Küche zurückkam, brannte es auch dort. Es ist furchtbar. Alles ist zerstört.“

„Finden Sie es nicht seltsam, dass der Brand an zwei Stellen gleichzeitig begann?“, hakte der Journalist nach. „Oh nein, ich glaube, das hat sich übertragen. Ich glaube, dafür gibt es auch einen Ausdruck,… wie war der doch gleich…“

„Funkenflug?“, fragte der Mann mit der Sonnenbrille hilfreich. „Ja, genau“, lächelte Frau Roberts mit tränenverschmiertem Blick, „Funkenflug, das muss es gewesen sein. Danke.“ – „Gerne zu Diensten.“

„Und Sie“, erkundigte sich Cooper, „wer sind Sie?“ – „Ich“, erklärte Sergio Speranza, „ich bin nur der Versicherungsvertreter.“

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