(14) Conrad starrte über das Lenkrad…

von Alain Fux

Conrad starrte über das Lenkrad hinweg auf die rot-weißgestreifte Schranke mit dem Verbotsschild, das ihm den Weg blockierte. Die Feuerwehrleute waren alle an der Vorderseite des Eckhauses beschäftigt. Ständig liefen sie mit Schläuchen oder anderem Gerät hin und her.

Durch eine ruckartige Handbewegung entriegelte Conrad die Autotür, schob sie mit der Schulter auf und stieg aus. Er blickte zu dem brennenden Haus und bemerkte die Hausnummer, 503. Plötzlich belustigt wandte er sich zu Superman um, der ihn auf dem Rücken liegend von der umgeklappten Rückbank aus fragend ansah. „Ist das nicht unglaublich“, sprach er, „Clark Kents Appartementnummer. Hier bist du Zuhause.“

Conrad öffnete die Heckklappe und zog Superman an den Füßen aus dem Wagen. Er stellte ihn kurz auf den Boden und hievte ihn sich auf die Schulter. Das rote Cape hing ihm jetzt den Rücken hinunter, sodass er selbst aussah wie der Comic-Held.

Entschlossen schritt er auf das Haus zu. Das Glas der hinteren Terrassentür war von der Hitze aufgesplittert und Flammen leckten heraus. Mit jedem weiteren Schritt wurde es heißer. Aus der zerbrochenen Tür schlug ihm ein Höllenhauch entgegen. Drei Stufen zur Terrasse hoch, hier war die Hitze fast unerträglich. Er legte Superman auf den Rücken nieder und hob ihn dann an seinem Cape hoch. Zwei Mal schwenkte er die Puppe hin und her. Beim dritten Mal warf er sie durch die zerborstene Tür ins Innere des Hauses. Er blieb kurz stehen, bis er sicher war, dass der Nylonstoff des Capes zu brennen anfing. „Ich muss dich jetzt verlassen, Superman“, sagte er. „Nichts für ungut. Aber wir haben alle unsere kleinen Fehler.“

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