(11) Zu Marios Erleichterung…

von Alain Fux

Zu Marios Erleichterung war in der Eisdiele wenig los. Nur die Eisverkäuferin schaute ihn an mit der Mischung aus Mitleid und Abscheu, die er sehr gut kannte. Im Zirkus war das anders, da war er an seinem Platz. Hier draußen nicht.

Dr. Zonas hatte ihnen beiden einen Eisbecher gekauft (Kirschen und Málaga). Sie saßen sich gegenüber an einem roten Plastiktisch und löffelten. Nachdem Dr. Zonas fertig war und den Mund abgewischt hatte, lehnte er sich zurück, ließ seinen Blick nach draußen schweifen und seufzte erleichtert.

„Das war gut. Genau das brauchte ich. Ist die Welt nicht schön? Mario, hast du schon mal ein Foto gesehen von unserem Erdball, aus dem Weltall gesehen?“ Mario nickte. „Und, ist er nicht zauberhaft?“ Mario nickte wieder. „Ich glaube, die Erde hat etwas Besseres verdient als uns Menschen. Wir zerstören alles. Wo wir hinkommen, verschmutzen wir die Natur, rauben Tieren ihren Lebensraum und verseuchen diesen Planeten.“

Mario wusste nicht, was er darauf antworten sollte und so nickte er wieder.

„Wäre die Erde nicht viel besser dran, wenn es uns Menschen nicht gäbe? Wir sind das Heruntergekommenste, was man sich vorstellen kann. Meinst du nicht auch?“

Mario schob seinen leeren Eisbecher von links nach rechts und tat so, als ob er überlegte.

„Kennst du Jim Jones?“ Mario schüttelte den Kopf. „Jim Jones hatte eine Lösung für die Welt. Er hatte zwar die richtige Idee, dachte aber zu klein und scheiterte an der Umsetzung. Er brauchte 23 Jahre nach der Gründung seines Volkstempels, bevor er zur Tat schritt, und dann blieb es bei lächerlichen 900 Toten. Trotzdem: auch große Ideen müssen nicht beim ersten Versuch gelingen. James Warren Jones sollte uns allen ein Vorbild sein. Da, wo er mit seiner Limonade gescheitert ist, müssen wir ansetzen. Ich habe…“

Er hielt inne, seine Augen waren wie festgefroren und starrten nach draußen. Mario schaute auf zu Dr. Zonas und folgte seinem Blick. Auf der Terrasse saß eine Taube auf einer Stuhllehne. Mario hatte Mitleid mit Tauben, seit er vor zwei Jahren bei einer Show mitgemacht hatte, in der auch Rumba der Wilde auftrat und bei jeder Vorstellung einer Taube den Kopf abbiss. Dr. Zonas saß da wie versteinert.

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