(359) Als Matt Turner wieder zu sich kam, war er Danilo Petri…

von Alain Fux

Als Matt Turner wieder zu sich kam, war er Danilo Petri und konnte sich nicht mehr daran erinnern, jemals Matt Turner gewesen zu sein. Es war um ihn herum ganz dunkel und ein Sturm zog auf, man konnte die Spannung in der Luft spüren. Eine Wolke Glühwürmchen flog durch die Nacht.

Als seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah er, dass er Teil einer Gruppe von Männern und Frauen war. Sie standen im Kreis um eine andere Frau herum, die in ihrer Mitte auf dem Rücken lag. Ein rotes Kleid war neben ihr. Danilo half der jungen Frau, das Kleid anzuziehen, während die anderen wild umher gestikulierten. Sie war die Einzige, die ein rotes Kleid trug. Die anderen Frauen hatten weiße Kleider an, die von der Erde braune Flecken hatten. Die Männer, auch Danilo, hatten einen nackten Oberkörper und schwarze Hosen. Alle waren barfuß.

Dann wurde die Frau im roten Kleid von Danilo an den Schultern herumgeführt, so als ob er sie allen zeigen wollte. Sie blieb in der Mitte stehen und fing an zu tanzen. Alle anderen gingen im Kreis um sie herum, sei es, um sie zu schützen oder auch, um ganz genau zu sehen, was mit ihr passierte. Die Frau tanzte mit wilden Bewegungen in allen Richtungen umher. Sie schien wie besessen. Danilo legte sich auf den Rücken und streckte seine Arme nach oben aus, als ob er sie empfangen wollte.

Die Frau im roten Kleid tat so, als ob sie sich das Herz herausriss und es für alle sichtbar in die Höhe hielt. Aber ihre Hand war leer. Gleichzeitig schüttelte sie die Fäuste gegen den Himmel, als ob sie ihn verdammen wollte. Dann formte sie die Hände zu einem großen Kreis, den sie um sich herum wirbelte. Sie sah aus, wie ein Fisch, den man an Land geworfen hatte. Wild lief sie in alle Richtungen, immer wieder gebremst von den anderen, die im Kreis um sie herum standen. Es gab keinen Ausweg für sie. Mit hochgereckten Armen tanzte die Frau im Kreis herum. Ihr Tanz wurde immer ekstatischer, aber man fühlte den Schmerz, den sie dabei empfand. Ihre Hüften rotierten. Sie fiel auf die Knie und ihre Arme wirbelten immer noch um sie herum. Dann fiel sie vorneüber auf die weiche Erde, konnte sich wieder erheben. Wieder begann der gleiche ekstatische Tanz, aber er wurde langsamer, sie war schwächer geworden von der Anstrengung. Wie ein letztes Aufbäumen sah es aus. Dann fiel sie noch einmal flach hin. Wieder konnte sie aufstehen und bat mit ausgestreckten Armen um Gnade. Sie fühlte noch etwas Kraft in sich und schlug sich mit den Händen gegen die Brust. Sie bedeckte ihr Gesicht mit den Händen, ging ein paar taumelnde Schritte rückwärts, blieb stehen. Sie ruderte mit den Armen, schneller und dann in einem wirklich letzten kräftezehrenden Aufbäumen warf sie die Arme nach oben und fiel nach vorne, als ob man ihr die Beine weggezogen hätte. Alle beobachteten sie aus der Ferne, keiner ging zu ihr hin. Danilo konnte seine Arme wieder sinken lassen.

Es wurde dunkel. Es war vorbei.

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