(348) Die Selbsthilfegruppe schien keinen positiven Einfluss auf Eugene und Grace gemacht zu haben.

von Alain Fux

Die Selbsthilfegruppe schien keinen positiven Einfluss auf Eugene und Grace gemacht zu haben. Cliff beobachtete sie im Rückspiegel und sie schienen gedankenverloren, schauten jeder auf seiner Seite zum Fenster hinaus. Andere Paare, die Cliff aus dem Haus kommen sah, schienen freudiger. Am besten drauf schienen die Pfleger, die sich abklatschten, bevor sie mit ihren Sportwagen wegfuhren.

Sie waren schon fast eine Stunde an der Küste entlang gefahren, als Grace plötzlich und unvermittelt sagte: „Ich will nicht mehr.“ Cliff schaute starr nach vorne. Er hörte Eugene einmal tief durchatmen und dann fragte er: „Was willst du nicht mehr?“ – „Alles. Diese Nachmittage sind schrecklich und es vergiftet jeden Moment, den ich mit dir verbringe.“ Eugene schien getroffen. „Aber ich mache das doch wegen dir.“ – „Nein. Du machst es nur für dich. Du machst alles nur für dich. Und wir alle sind nur Figuren auf deinem Schachbrett. Wir schieben dich zwar, aber in Wirklichkeit hast du uns alle in deiner Hand.“ Dann war es einige Zeit still, bis Eugene wieder sagte: „Es tut mir leid, dass du es so siehst. Da es Empfindungen sind, kann ich wohl nicht viel machen, um dich vom Gegenteil zu überzeugen.“ Cliff hätte am liebsten gesagt, dass er etwas sagen sollte, gerade weil es Empfindungen waren, aber da war nicht sein Job. Dann wandte sich Grace direkt an ihn: „Sagen Sie, kommen wir irgendwann an einem Bahnhof vorbei?“ Während Cliff im Navi nachschaute, schwieg Eugene. Entweder er wollte sehen, wie weit sie gehen würde oder er war froh, dass sie aussteigen wollte. „Mystic, in fünf Meilen. Von dort gibt es eine Amtrak-Verbindung nach New York.“ – „Da lassen Sie mich raus, bitte.“ Eugene widersprach nicht und so fuhr Cliff zum Bahnhof in Mystic, Connecticut. Grace stieg aus, nahm ihre Tasche aus dem Kofferraum und verschwand in dem kleinen Bahnhof.

Eugene schaute ihr nach und Cliff sagte solange nichts. „Soll ich jetzt weiter nach New York fahren?“, fragte er schließlich. „Nein“, Eugenes Stimme krächzte etwas. Fahren Sie zurück nach Osten. Newport, Rhode Island. Ich will jetzt nicht nach New York zurück.“ – „Eine bestimmte Adresse?“ – „Kommt. Fahren Sie erst mal los.“ Während Cliff den Wagen wendete, suchte Eugene auf seinem Smartphone. Als er gefunden hatte, wonach er suchte, wählte er eine Nummer. Es war ein Hotel und er fragte, ob es freie Zimmer gab. Dann ließ er sich die Adresse geben und wiederholte sie in Cliffs Richtung. „2 Sunnyside Place. Das Architects Inn.“

Als Cliff die Adresse eingegeben hatte, sagte das Navi, dass sie eine Stunde brauchen würden. „Das ist ein altes Hotel in Newport. Da war ich schon einmal. In besseren Zeiten.“ Etwas später fragte Eugene: „Müssen Sie direkt nach New York zurück oder kann ich Sie für ein paar Tage verlängern? Sie würden mich dann auch etwas mit dem Rollstuhl herumschieben, wenn das ok ist?“ Cliff sagte, dass das kein Problem sei und er seinen Boss informieren würde.

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