(344) Mr Reeves, ich habe Kontakt zu den Erben des Imperial Wizard!

von Alain Fux

„Mr Reeves, ich habe Kontakt zu den Erben des Imperial Wizard!“ Bellows klang sehr erfreut am Telefon. Reeves hatte ihn vergessen. Seit er an dem Elektrischen Stuhl ein Hautstück eines Exekutierten entdeckte, hatte er sich verändert. Er konnte nicht still sitzen und Kopfschmerzen plagten ihn. Reeves sagte Bellows, dass er die Aktion abblies. Es sei etwas dazwischen gekommen. Nachfragen von Bellows wich er aus und legte auf.

Reeves saß in seinem Büro und seine Sammlung war um ihn herum in Vitrinen ausgestellt. Die Vorhänge waren zugezogen, weil viele Dokumente, die in den Vitrinen lagen, lichtempfindlich waren. Es war insgesamt eher dunkel in diesen Räumen. Nur durch kleine, akkurat platzierte Scheinwerfer stachen die Sammlungsstücke heraus und kamen zur Geltung.

Den mit Sicherheit echten Elektrischen Stuhl hatte Reeves nicht gekauft, obwohl der geforderte Preis in Ordnung war. Sein Blick wanderte hin und her. Er fühlte sich nicht mehr wohl in dem Zimmer oder mit seiner Sammlung. In einer Vitrine stand ein Rahmen, der mit rotem Samt ausgeschlagen war. In der Mitte ein schwarzer Smith & Wesson Revolver, mit dem der Feigling Bob Ford 1882 Jesse James abgeknallt hatte. Eine Vitrine weiter hing die gelblich-grüne Totenmaske von Dillinger, einer von mehreren Abgüssen. Ein anderer davon hatte hinter J. Edgar Hoovers Schreibtisch im FBI-Hauptquartier gehangen. Für Hoover musste es die ständige Bestätigung eines großen Triumphs gewesen sein. Reeves schien es, als ob das augenlose Gesicht Dillingers ihn anschaute.

Sein Blick wanderte weiter und blieb an einer Autotür hängen. Es war die Fahrertür des Ford V8 von Bonnie und Clyde, durchlöchert von unzähligen Schüssen. Reeves hatte hinter die Tür eine Lampe anbringen lassen, sodass man das Licht sah, wie es durch die Einschusslöcher schien.

„Es kann so nicht weiter gehen“, sagte Reeves zu sich selbst. Er zog die Vorhänge auf. Durch das helle Tageslicht musste er die Augen zukneifen. Er öffnete das Fenster und ein Windstoß fuhr ins Zimmer, wirbelte einige Papiere auf seinem Schreibtisch auf. Reeves steckte den Kopf nach draußen und schaute abwärts. Aus der Höhe des 29. Stockwerks sahen die Menschen unten auf der Straße unbedeutend aus. Er hob den Blick und sah in der Ferne die Freiheitsstatue. Sie war kleiner als seine Hand, aber unerreichbar weit weg. Er genoss für einige Minuten das Licht, den gedämpften Lärm und das Streicheln des Windes.

Als er sich wieder an den Schreibtisch setzte, nahm er die Karte eines Boardmitglieds der Smithsonian Institution aus einer Schublade. Man hatte schon öfters angefragt, seine Sammlung zu erhalten, und bis jetzt hatte er immer abgelehnt. Er griff zum Telefonhörer.

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