(340) Detective James Leavelle hatte ursprünglich vorgehabt, den Gefangenen…

von Alain Fux

Detective James Leavelle hatte ursprünglich vorgehabt, den Gefangenen durch eine Hintertür zum Auto zu bringen. Aber der Polizeichef wollte, dass die Presse ihn sah. „Ich möchte, dass die Journalisten bestätigen, dass wir ihn nicht misshandelt haben.“ Aber erst einmal sollte Oswald noch einmal im dritten Stock befragt werden. Leavelle und ein Kollege holten ihn ab und fuhren mit ihm im Aufzug hoch. Leavelle sagte zu Oswald: „Lee, wenn jemand auf dich schießt, dann hoffe ich, dass er genauso gut sein wird, wie du.“ Worauf Lee Harvey Oswald antwortete „Ach was, niemand wird auf mich schießen.“

Als die Befragung durch die Geheimdienstagenten geendet hatte, brachten Leavelle und sein Kollege Oswald wieder in den Keller, von wo aus er mit einem gepanzerten Wagen ins Gefängnis gebracht werden sollte. Es war 11:10 Uhr. Oswald zog einen schwarzen Pullover an und wurde mit Handschellen an Leavelles linkes Handgelenk gefesselt. Und man legte ihm noch ein weiteres Paar Handschellen an.

Im Keller warteten Fotografen und Fernsehkamerateams auf Oswald. Es gab sogar eine Direktübertragung, denn das Interesse der Öffentlichkeit an dem Mörder von John F. Kennedy war immens. Als Leavelle mit Oswald in den Flur trat, wurden die Journalisten aktiv. Aus den Augenwinkeln bemerkte der Detective einen Mann auf sie zukommen. In zwei Schritten löste er sich aus dem Pulk der Fotografen und feuerte seine Pistole ab, bevor jemand die Möglichkeit hatte, zu reagieren. Instinktiv hatte Leavelle versucht, seinen Gefangenen aus der Schusslinie zu ziehen, aber er konnte ihn nur etwas drehen.

Tumult brach aus im Flur und Leavelle brachte Oswald in einen anderen Raum. Er nahm dem Gefangenen die Handschellen ab und sah, dass die Verletzung sehr ernst war. Oswald wurde völlig weiß im Gesicht und seine Augäpfel rollten hin und her. Leavelle begleitete den Verletzten im Krankenwagen und bemerkte, während der Fahrt, dass Oswald unvermittelt erstarrte und seufzte. Sein Tod wurde festgestellt, als sie im Krankenhaus ankamen. Es war dann 13.30 Uhr.

Bereits am nächsten Tag begleitete Leavelle einen weiteren Gefangenentransport, nämlich den von Jack Ruby. Ruby war es gewesen, der Oswald erschossen hatte. Der Detective kannte ihn flüchtig, weil er einmal wegen eines Raubüberfalls in einem von Rubys Clubs ermittelt hatte. Er hatte am Vortag geglaubt, dass ihm das Gesicht bekannt vorkam, konnte es aber nicht einordnen.

Ruby stieg in den Gefangenentransporter ein und legte sich sofort, ohne dass man es ihm befohlen hatte, flach auf den Boden des Wagens. „Was tust du da, Jack?“, fragte Leavelle. „Jemand will mich vielleicht erschießen“, antwortete Ruby. Das brachte Leavelle zum Lachen. Er sagte: „Jack, niemand wird Zeit darauf verschwenden, dich zu erschießen.“

Der Transport endete ohne Zwischenfälle.

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