(336) Hein Dengler begann den Abend mit einem guten Essen in der Pizzeria Mister Grillo…

von Alain Fux

Hein Dengler begann den Abend mit einem guten Essen in der Pizzeria Mister Grillo, schräg gegenüber vom Hotel. Das Fischrisotto war famos. Danach trank er einen Digestif in einer Bar und kam schließlich zu einer Diskothek namens Blow up. Er fragte andere Gäste, was es sonst noch in Rimini gäbe und als sie eine andere Disco namens ‚Life‘ erwähnten, hielt es ihn nicht mehr. Er musste unbedingt dorthin gehen.

Das Life befand sich nur ein paar Straßen weiter. An diesem Abend war dort mitten auf der Tanzfläche ein mechanischer Bulle installiert und es lief ein Wettbewerb, wer es am längsten darauf aushielt.

Es waren die jungen Burschen, vor allem deutsche Touristen, die gegeneinander antraten, um ihre Mädels zu beeindrucken. Dengler handelte impulsiv und ließ sich auf die Starterliste eintragen. Der Moderator rief die Kandidaten nacheinander auf und sie konnten zeigen, was in ihnen steckte. Die meisten hielten sich weniger als 10 Sekunden, wie an dem großen roten Display erkennbar. Der bisherige Rekord an dem Abend lag bei 23 Sekunden.

Dann war Hein Dengler an der Reihe. Als er auf die Matte stieg, zog er sein Hemd aus und das Publikum johlte, angesichts seiner Sixpacks. Dengler stieg auf den Bullen und der Maschinist drückte den dicken roten An/Aus-Knopf. Der Bulle ruckte, zuckte und wehrte sich unter Dengler. Aber der hielt sich fest an der Griffschlaufe und umschloss die bockende Maschine mit den Beinen. Dengler hob die andere Hand, um mit wilden Bewegungen den Ritt auszubalancieren, und er blieb auf der Maschine sitzen. Die 23 Sekunden waren vorbei und dann waren es 37, 53, 59. Eine Sirene ertönte und der Maschinist schaltete den Bullen ab. Es war bisher noch niemandem gelungen, es eine Minute auszuhalten. Die Menge grölte und applaudierte. Dengler blieb auf dem Bullen sitzen und grüßte wild wedelnd mit den Armen.

Das Publikum war völlig aus dem Häuschen. Sie drängten über die Absperrung auf die Mitte. Dengler fühlte sich unbeschreiblich gut. Es kam selten vor, dass man ihm Applaus spendete.

„Ihr alle seid unglaublich toll!“, schrie er und die Menge brüllte, pfiff und klatschte. „Ich liebe Euch alle! Ich möchte Euch alle zu mir nach Hause einladen!“ Wieder applaudierten alle. „Wollt Ihr alle mitkommen?“, schrie er. Und alle antworteten lautstark mit „Jaaaaa!“ Dann war es augenblicklich still und Dengler wurde bewusst, dass er einen Fehler begangen hatte. Unbewusst hatte er die Worte für ein Express-Einloggen gewählt. Alle waren nun tot, außer einem griesgrämigen Mann an der Bar, der sich vorher wohl nicht amüsiert hatte. Jetzt, als er sah, wie seine Frau tot vom Barstuhl zu Boden rutschte, musste er auflachen. Zwischen den Leichen saß ein Hund und winselte leise.

Dengler zog rasch sein Hemd wieder an und schlich sich durch den Notausgang hinaus.

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