(332) Es war eine dunkle, stürmische Nacht, der Regen fiel in Strömen…

von Alain Fux

Es war eine dunkle, stürmische Nacht, der Regen fiel in Strömen und ließ nur dann von Zeit zu Zeit nach, wenn er von einem heftigen Windstoß unterbrochen wurde, der durch die Straßen heulte. Der Mond spiegelte sich in den Pfützen, die sich dort gebildet hatten, wo die Platten im Bürgersteig fehlten. Die Straße führte an einem Containerterminal vorbei, der durch einen Maschendrahtzaun abgetrennt war. Auf der anderen Straßenseite standen die Pontons der Stadtautobahn, die zehn Meter höher vorbeirauschte. Unter der Autobahn waren dunkle Durchlässe, hinter denen sich nichts Gutes verbarg. Der Fußgänger ging seinen Weg, ständig auf der Hut, auf alle Geräusche gespannt.

Dann kam einer von links hinter einem Ponton heraus. In der Hand hielt er einen Baseballschläger. Das Gesicht konnte der Fußgänger nicht erkennen, denn der Unbekannte trug eine dunkle Sturmhaube. Dahinter, noch einer. Dieser schwang eine Motorradkette in seiner Hand. Der Fußgänger bewegte sich weiter auf die beiden zu. Sie hatten sich breitbeinig auf dem Bürgersteig aufgebaut und es sah nicht gut aus. Dann ging alles sehr schnell. Als der Fußgänger auf zwei Meter angekommen war, hob der vordere Mann den Schläger. Der Fußgänger zog seinen Revolver und feuerte. Der Baseballschlägertyp fiel zu Boden. Bevor der Kettenmann etwas unternehmen konnte, war er von einem zweiten Revolverschuss niedergestreckt worden. Aber das war erst der Anfang. Aus einem Durchlass zwanzig Meter weiter brach mit aufheulendem Motor ein schwarzer Pick-up-Truck raus. Auf der Ladefläche standen fünf oder sechs Halbstarke. Einer schwang eine Machete. Was den Fußgänger aber beeindruckte, war das Maschinengewehr, das oben auf der Fahrerkabine montiert war. Schon während der Wagen sich noch drehte, um auf den Fußgänger loszufahren, spuckte die Mündung schon Feuerstöße aus. Der Fußgänger duckte sich in den Durchlass direkt neben ihm. Vorher entsicherte er aber noch eine Handgranate und warf sie in Richtung des heranpreschenden Wagens. Er war schon vom Ponton geschützt, als die Granate explodierte und die Druckluftwelle alles erschütterte. Im Widerschein des Explosionsblitzes sah der Fußgänger, dass er geradewegs in die Arme eine Rotte von weiteren Gesetzeslosen gelaufen war. Er zog die Micro-Uzi und begann sofort alles was vor ihm war mit einem tödlichen Bleiregen zu überziehen. Der Widerhall der Schüsse war unbeschreiblich in diesem halb offenen Gewölbe. Die Halbstarken waren glücklicherweise nur mit konventionellen Waffen ausgerüstet und konnten der 1700-Schuss-pro-Minute-Feuerkraft der Uzi nichts entgegensetzen. Sie fielen um wie die Fliegen. Ströme von rotem Blut sah der Fußgänger im Widerschein der Feuersalven aus dem Körperhaufen herauslaufen, während er immer noch weiter draufhielt und ein Magazin nach dem andern leerte. Jerry Lüders lächelte glückselig. Das Alter war vielleicht ein Massaker, aber Lüders schoss zurück.

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