(323) Wenigstens hat er sie noch nicht geschwängert!

von Alain Fux

„Wenigstens hat er sie noch nicht geschwängert!“ Hansjörg Weber war sehr aufgebracht. Er saß auf seinem Sessel im Wohnzimmer und starrte grimmig auf die Sombreros, die ihm gegenüber an der Wand hingen. Er und Annemarie hatten sie aus dem Urlaub in Spanien mitgebracht. Annemarie saß auf dem Sofa und vor ihr stand immer noch das Telefon, über das sie eben mit ihrer Tochter Sandra gesprochen hatten. „Ja, er ist nicht wirklich der Schlaueste…“, sagte Annemarie. „Er ist ein vollendeter Idiot“, fuhr ihr Hansjörg dazwischen. „Vielleicht trennt sie sich jetzt endlich von dieser Missgeburt und kommt zur Vernunft. Es gibt doch wirklich genug Männer, die ihr etwas bieten können.“ Hansjörg streifte die Pantoffeln ab und legte die Füße auf den Lederschemel, der vor ihm stand.

„Aber, waren wir nicht vielleicht etwas zu hart eben?“ Annemarie stand auf und stellte das Telefon zurück auf die Zierdecke auf den Beistelltisch neben dem Sofa. „Unsinn. Sie muss auch etwas lernen. Unser Haus war ihm ja nie gut genug, diesem René. Die Nase hat er über unseren Fernseher gerümpft und dann schließt er noch so ein Idiotenspiel da dran. Nachher war alles verstellt. Kannst du dich noch erinnern? Am Ende mussten wir den Fernsehtechniker holen, damit er es wieder in Ordnung bringt.“

„Ich glaube ich brauche jetzt etwas Starkes. Willst Du auch etwas?“ – „Gib mir einen Brandy.“ Annemarie öffnete das Barfach des Wandschranks und füllte ein Schnapsglas mit Grand Marnier für sich und einen Schwenker mit Cardenal Mendoza für Hansjörg. Sie reichte ihm sein Glas und beide tranken einen Schluck.

„Was sie jetzt wohl unternimmt? Ich komme mir ganz schlecht vor, sie so abgewiesen zu haben…“ – „Wir haben sie nicht abgewiesen. Wir haben den Trottel abgewiesen. Ein Riesenunterschied. Wenn Sandra gesagt hätte, ‚Unser Haus ist eingestürzt, kann ich bei Euch eine Zeit lang wohnen?‘, dann hätten wir sie natürlich mit offenen Armen empfangen. Aber sie wollte ja diesen Heini mitbringen. Ich habe ihr gesagt, komm doch allein. Aber nein, sie hat ihren Sturkopf und knüpft ihr Schicksal an das von diesem Versager. Das sollte ihr jetzt mal zu denken geben. Wenn sie jetzt gleich noch einmal anruft, und sagt, ob sie denn alleine kommen darf, werden wir ihr natürlich sagen, dass sie uns immer willkommen ist. Zu jeder Tages- und Nachtzeit.“ Sie hingen ihren Gedanken nach und tranken eine Weile schweigend. „Meinst Du Tele Sat Plus wird ihnen den Schaden ersetzen?“, fragte Annemarie. „Wer weiß, ob das überhaupt etwas mit dem Fernsehsender zu tun hat. Vielleicht hat der Trottel das Haus ja selbst in die Luft gejagt. Er mag doch so gerne Kriegsspiele. Das kommt ihm wahrscheinlich recht, einen Kriegsschauplatz direkt zu Hause zu haben. Dem ist alles zuzutrauen, glaub mir.“

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