(321) Eigentlich hatte René Schiffner sich vorgestellt, dass die ideale Kulisse für die ‚Tilt Space Party’…

von Alain Fux

Eigentlich hatte René Schiffner sich vorgestellt, dass die ideale Kulisse für die ‚Tilt Space Party‘ eine Szene aus ‚Counter Strike: Global Offensive‘ sein sollte. Er liebte dieses Videospiel und wusste, dass er damit seine Kumpels wirklich beeindrucken würde. Sandra, seine Frau, hatte Bedenken gehabt, aber es war ja schließlich sein Geburtstag. Er und Sandra hatten oft unterschiedliche Meinungen. Er liebte Videospiele, sie hasste sie. Sie war für die Einrichtung zuständig, er zeigte dafür wenig Dankbarkeit. Er kümmerte sich um das Auto, sie fand, dass er dafür zuviel Geld ausgab. Bei Filmen fanden sie einen Kompromiss bei Ghost Busters oder Herr der Ringe.

Doch dann kam es anders, weil der Fernsehsender meinte, dass die Deko aus Counter Strike in Renés kleinem Haus nicht umsetzbar sei und zudem völlig ungeeignet für eine Party. Stattdessen schlugen sie ihm ein Spiel vor, bei dem es darum ging einen eingeölten Kleinwüchsigen zu fangen und in einen Laufstall zu sperren. „Was ist ein Kleinwüchsiger?“, fragte René und Sandra sagte ihm, dass das ein Liliputaner sei. „Ist das nicht schwul?“, fragte René und Sandra versicherte ihm, dass sie das nicht glaubet. Und deshalb willigte René ein.

Um die Produktion spannender zu machen, brachte die TV-Crew zwei Schaumkanonen mit, die oben auf der Treppe und vor dem offenen Wohnzimmerfenster auf einem Gerüst aufgestellt wurden. „Das ist ja nur Seife“, sagte der Produzent. „Und wenn doch Schäden entstehen sollten, dann machen wir das neu. Natürlich. Sie sollten zur Sicherheit aber alle persönlichen Dinge in den Produktionscontainer stellen, der auf der Straße geparkt ist. Da passiert dann garantiert nichts.“

Für die Dreharbeiten war ein voller Tag reserviert. Aus Planungsgründen kam Renés Geburtstag dafür nicht in Frage, der war ein Monat später. „Aber das wissen die Zuschauer ja nicht“, erklärte der Produzent. Die Vorbereitungen für den Dreh fanden am Vortag statt. In allen Zimmern wurden mehrere steuerbare Kameras mit Mikrofonen angebracht und mit dem Regiewagen auf der Straße vernetzt. Zusätzlich gab es zwei mobile Kamerateams.

Als die Freunde von René und Sandra am Drehtag im Häuschen der beiden ankamen, waren sie von der technischen Ausstattung beeindruckt. René erzählte, dass er lieber eine Deko aus Counter Strike gehabt hätte, aber die Freunde sagten, das sei auch so voll in Ordnung. An seinem Geburtstag könne man ja einfach gemeinsam Counter Strike spielen, das würde alles aufwerten. Auch ein paar Schauspieler kamen dazu, aber nur für den Fall, dass irgendwelche Stunts notwendig sein würden, wie der Produzent versicherte, ohne darauf einzugehen, an welche Stunts er dachte. Als René zwei Schauspielerinnen begaffte, die unglaublich große Oberweiten hatten, knuffte ihn Sandra in die Seite.

Dann mussten sich alle in einer Reihe aufstellen und eine Produktionsmitarbeiterin inspizierte Gastgeber und Gäste. Manche mussten sich umziehen, andere bekamen interessante Requisiten oder Accessoires. Auch das dauerte eine geschlagene Stunde. In der Zeit gab es draußen im Garten in einem Zelt ein Buffet mit leckeren Happen. Als alle bereit und verköstigt waren, hielt der Regisseur, ein völlig humorloser Mann mit Halbglatze, eine Rede, in der er den Ablauf der Dreharbeiten erläuterte. „Also, das wird eine lustige Party, Leute“, sagte er mit monotoner Stimme und dann ging es tatsächlich los.

Zuerst wurden René und Sandra gedreht, wie sie auf die ersten Gäste warteten und so taten, als ob sie die letzten Vorbereitungen erledigten. „Sehr gut“, rief der Regisseur, nachdem sie von allen Seiten dabei gefilmt worden waren. „Jetzt kommt die erste Gästegruppe. Auf drei.“

Advertisements