(305) Als das Feuer wieder im Kamin brannte und der Tee in den Bechern dampfte…

von Alain Fux

Als das Feuer wieder im Kamin brannte und der Tee in den Bechern dampfte, fühlte Fay Wright sich gleich besser. Als das Feuer niedergebrannt und der Tee ausgetrunken war, stellte sich die Frage, wer wo schlafen würde. Sie inspizierten die beiden Schlafzimmer und Fay roch an der Bettwäsche. Sie schien unbenutzt. Sie entschied sich für eines der Schlafzimmer. McDermott sagte, dass er unten im Wohnzimmer auf dem Sofa schlafen würde. Falls die Hausbewohner zurückkämen, würden sie zuerst ihn finden und er konnte die Situation erklären. Das beruhigte Fay. Als McDermott die Treppe hinunterging, schloss sie die Tür und verriegelte sie. Sie zog sich bis zur Unterwäsche aus und legte sich ins Bett. Es war wie früher in einer Jugendherberge, sagte sie sich und schlief ein.

Es musste die Musik sein, die sie geweckt hatte. Akkordeonmusik hatte sie wachgekitzelt. Als sie sich erinnerte, wo sie sich befand, schreckte sie mit einem Ruck hoch. Sie knipste das Licht an und lauschte mit angehaltenem Atem. Die Musik kam von unten. Es war zwei Uhr, sagte ihre Armbanduhr. Keine Uhrzeit für Akkordeonmusik. Sie zog sich schnell an und schloss die Tür auf. Die Musik war nicht allzu laut, aber sie konnte sie gut hören. Von unten schien Licht die Treppe herauf. Sie musste sich überwinden, aber dann ging sie hinunter, beugte sich über das Geländer, um zu sehen, was unten geschah. Aber sie konnte nichts erkennen. Sie stand am Fuß der Treppe und die Musik kam aus dem Wohnzimmer. Sie ging hinein, aber es war leer. Auf dem Sofa lag eine zurückgeworfene Decke, als ob McDermott mit einem Ruck aufgestanden war. So wie sie… Die Musik kam jetzt aus dem Flur. Sie ging ihr hinterher und stand dann vor einer Tür, die sie vorhin nicht probiert hatten. Es sah aus wie die Kellertür. Fay schaute sich um. Die Haustür war verschlossen und sonst war niemand im Erdgeschoss. Sie probierte die Kellertür, sie war unverschlossen. Musik drang nach oben, aber es war dunkel und roch muffig. Fay hatte feuchte Hände. Sie rief „Hallo“ die Holztreppe hinunter. Es hatte keinen Einfluss auf die Musik, die unverändert weiterspielte. „Mr McDermott?“ Auch darauf gab es keine Antwort. Neben der Tür war ein Lichtschalter. Sie drückte ihn. Eine fahle Glühbirne hing an einem Kabel in der Treppe und erhellte sie. Unten schien der Boden aus gestampfter Erde zu bestehen. Die Wände waren nur grob verputzt und die Treppe vor langer Zeit einmal weiß gestrichen. Fay setzte einen Fuß auf die Treppe und dann den anderen. Eigentlich fand sie ihre Angst lächerlich. Sie wollte der Sache mit dem Akkordeon und dem verschwundenen McDermott auf den Grund gehen. Wahrscheinlich hatte er ein Akkordeon gefunden und foppte sie jetzt. Sie ging die Treppe hinunter. Als sie den Fuß auf den Lehmboden setzte, erlosch das Licht. Erstarrt blieb sie stehen und hörte dann die Kellertür hinter ihr zufallen. Es war stockduster um sie herum.

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