(303) Eigentlich war es Damien McDermott ganz recht…

von Alain Fux

Eigentlich war es Damien McDermott ganz recht, dass das Gespräch mit Fenton länger gedauert hatte. In der Zwischenzeit waren der Geometer und der Historiker nach London zurückgefahren. Nur Fay Wright, seine Assistentin, hatte auf ihn gewartet. Da McDermott es immer für unnötig gefunden hatte, den Führerschein zu machen, musste Fay ihn überall in seinem Dienstwagen, einem Talbot Avenger, hinfahren. Bisher hatte sie seinen Avancen immer standgehalten, aber McDermott war ein ewiger Optimist. Und wenn sie auch weiterhin nicht wollte, dann musste er sie ersetzen.

In Folkestone hielten sie bei einem Hotel, das McDermott schon kannte. Er setzte sich ins Restaurant, um seine Notizen zu vervollständigen, sie sollte ein Zimmer besorgen. Dann bestellte McDermott Essen für sie beide.

„Fenton wird verkaufen, das spüre ich. Es geht ihm nur ums Geld. Diese Farmer drehen doch jedes Pfund mehrmals um. Oder, Fay?“ Sie schrieb selbst ein paar Notizen auf ihre Unterlagen, damit es etwas zum Nachschlagen gab, wenn McDermott seine Notizen nicht mehr lesen konnte, was öfters vorkam. „Gab es denn etwas Konkretes, das er Ihnen mitteilte?“ – „Das was sie immer sagen: dass sie nachdenken müssen. Pah, ich rufe ihn morgen an und sage, dass das Projekt auf der Kippe steht und dass er sich gefälligst entscheiden soll.“

Das Essen kam. „Aber jetzt wollen wir essen. Und dann wollen wir doch mal schauen, was es hier in Folkestone gibt, was wir beiden Hübschen heute Abend hier unternehmen können.“ – „In Folkestone gibt es nichts Nennenswertes, ich war schon mal hier.“ – „Oh, das ist aber schade, dann müssen wir uns ja miteinander beschäftigen. Da bleibt uns nichts anderes übrig. So ein Ärger aber auch.“ – „Dazu haben wir keine Zeit, wir müssen morgen früh los, denn man erwartet uns in Hertfordshire.“ McDermott stöhnte. „Skybreak House? Sie brechen mir das Herz. Heißt das, Sie werden nach dem Essen wie immer in null Komma nichts stante pede auf Ihr Zimmer flüchten?“ Fay nickte und ihr Lächeln hatte etwas Triumphierendes. „Nein, diesmal nicht.“ Er wartete, wie sie darauf reagieren würde und nahm einen Schluck von seinem Gin Tonic. „Wir müssen sehr früh raus“, wiederholte sie. „Dann fahren wir gleich heute Abend weiter. Ich will nicht an einem Ort bleiben, wo es gar nichts gibt.“ McDermott schob seinen Teller von sich und rief den Kellner. „Ich möchte zahlen“, sagte er. „Aber, was ist mit den Hotelzimmern?“ – „Sie haben sie gefunden, Sie werden sie bestimmt auch wieder loswerden, Fay.“ Damit stand er auf, griff den Kentish Express, der auf der Sitzbank neben ihm lag. „Ich muss noch mal für Königstiger und dann machen wir gleich den Abflug aus dem desolaten Folkestone.“

Eine halbe Stunde später waren sie im Auto und fuhren Richtung London. „Wissen Sie, was ich in diesem Käseblatt gelesen habe? Dieser Fenton, der züchtet eine besondere Rasse von Rindern, die er mit Bier füttert. Kostet wohl ein Schweinegeld, soll aber besser schmecken als alles andere Fleisch. Vielleicht ist der Kerl doch nicht auf das Geld aus. Irgend so ein Exzentriker, der sich um seine ausländischen Kühe kümmert und dem English Heritage die kalte Schulter zeigt. Abscheulich, ist es nicht?“

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