(300) Was ist Ihr nächstes Projekt, Herr Scherf?

von Alain Fux

„Was ist Ihr nächstes Projekt, Herr Scherf?“, fragte Renate Knebel, als die Radiosendung fertig war und Scherf das eigene Exemplar seines Buches wieder in die Aktentasche steckte. „Über meine Beschäftigung mit Keith Moon bin ich, wie vorhin schon erwähnt, mit Oliver Reed in Verbindung geraten. Ein äußerst interessanter Mann.“ – „Ein Trunkenbold, nicht wahr“, sagte Frau Knebel. „Auch, ganz gewiss. Aber das ist alles so hinreichend bekannt, da brauche ich nichts mehr darüber zu schreiben. Nein, es gibt eine zweite Leidenschaft, wenn Sie so wollen, im Leben von Robert Oliver Reed. Das waren die Frauen.“ – „Was Sie nicht sagen, Herr Scherf. Wäre das auch ein Thema für eine künftige Sendung?“ Scherf zögerte, klappte dann aber seine Aktentasche wieder auf und nahm einen Stoß Papier heraus, den er Frau Knebel überreichte. „Das hier ist ein Exposé, das ich für meinen Verleger erstellt habe.“

Frau Knebel steckte das Dokument ein und las es erst am nächsten Tag. Danach verfasste sie folgende Notiz an Scherf: ‚Sehr geehrter Herr Scherf, vielen Dank für Ihre Teilnahme an meiner Sendung und Danke auch für die Übersicht zu Ihrem Projekt Oliver Reed und die Frauen. Ich bin nicht nur zu der Erkenntnis gelangt, dass das Projekt nicht für meine Sendung taugt, ich möchte Sie auch bitten, die Sinnhaftigkeit selbst Ihres Projekts zu überdenken. Vielleicht helfen Ihnen die folgenden Zitate von Reed, die ich teilweise selbst recherchiert habe. Sie sind zwar aus dem Kontext gerissen, aber dennoch alle real. Hier sind die Zitate:

  • „Ich sehr zwar aus wie ein Lastwagen, aber die Frauen wissen, dass da drin ein V8-Motor brummt.“
  • „Frauen werden den Männern nie vergeben, dass sie von ihnen penetriert werden. Egal wie wir es tun, im Stehen, im Liegen oder an den Vorhängen schaukelnd, die Männer sind diejenigen die vögeln und die Frauen werden gevögelt. Sie nehmen unseren tollen Samen in sich auf. Sie sind die Empfänger und wir sind die Spender. Und sie, verdammt noch mal, lieben es.“
  • „Was ich an Frauen mag, sind die Nippel. Ich bin definitiv ein Nippelmann. Brüste insgesamt.“
  • „Glauben Sie wirklich, dass Frauen den Geschmack von Sperma mögen? Ich denke, dass es so sein muss. An meinen ersten Blowjob erinnere ich mich noch sehr gut. Ich habe dabei ständig gedacht, ob sie weiß, dass ich bald in ihrem Mund kommen werde.“

Ich habe auch gelesen, dass die Schauspielerin Shelley Winters im amerikanischen Fernsehen eine Karaffe mit Whisky über Reeds Kopf geschüttet hat wegen seiner sexistischen Sprüche. Ich kann das gut verstehen. Wenn Sie dieses Buch schreiben, dann würde ich in meiner Sendung zwar keinen Whisky über Sie ausgießen, dafür aber heißen Kräutertee. Beste Grüße, Ihre Renate Knebel.“

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