(296) Die Frau stellte sich als Darunee Isara vor.

von Alain Fux

Die Frau stellte sich als Darunee Isara vor. Das hübsche junge Mädchen sei ihre Tochter Sathinee. Cynthia dachte, dass die beiden Frauen Thailänderinnen seien, zumindest der Abstammung nach. Darunee hatte einen leichten asiatischen Akzent, aber ihr Englisch war sehr gut. Cynthia merkte gleich, dass der Besuch nichts Gutes verhieß. Sie holte Sterne, der wieder im Rosengarten arbeitete. Sie beobachtete ihn genau, als er Darunee erblickte. Er wollte es nicht zeigen, aber sie war sicher, dass er die Frau bereits kannte. Leider musste Cynthia das Büro verlassen, aber sie postierte sich neben die Tür, um mitzuhören. Dann schickte die Frau Sathinee raus und Cynthia musste so tun, als ob sie den Spiegel im Flur wischte. Sathinee ging mit Toby, Sternes Hund, nach draußen, in den Vorgarten. Dann konnte Cynthia wieder genauer hinhören und es stockte ihr mehrmals der Atem.

Darunee musste Sterne gekannt haben, als dieser noch bei Armee war. Sie sagte, dass er sich ja sehr verändert habe und dass es gar nicht so einfach war, ihn zu finden. Er redete dummes Zeug und man merkte, dass er unsicher war, worauf das Ganze hinauslief. Er fragte nach einigen Personen, die sie wohl gemeinsam aus jener Zeit kannten. Dann fragte er, ob Darunee geheiratet habe. Sie sagte Nein. Dann dämmerte es Cynthia und sie wusste, warum sie das Mädchen Sathinee so hübsch fand. In ihren asiatischen Zügen fand sie den Mund von Sterne. Seine Lippen, die sie unwiderstehlich fand. Sterne schien es noch nicht zu ahnen, denn er fragte, wie Darunee denn jetzt lebe. Sie antwortete, dass es nicht so einfach sei und sie mittlerweile ein kleines Restaurant aufgemacht habe. Aber weil Sathinee so intelligent war und studieren wollte, wurde es langsam eng.

Cynthia wusste jetzt, dass Darunee hier war, weil sie Geld wollte. Sterne war wirklich nicht reich und sein Gehalt eigentlich jämmerlich. Er konnte es sich gar nicht leisten, Geld davon abzugeben. Und er hatte es immer noch nicht gemerkt. Am liebsten hätte Cynthia die Tür geöffnet und hineingeschrien: Es ist deine Tochter, du Hornochse!

Sterne redete darüber, dass die Zeiten hart seien und dass es auch in seiner Gemeinde Härtefälle gebe. Dann schien Darunee der Geduldsfaden zu reißen und sie sagte ihm, dass Sathinee seine Tochter sei. Das verschlug ihm die Sprache. Cynthia fragte sich schon, ob die beiden im Zimmer sich in den Armen lagen, aber dann sagte Sterne, das sei doch nicht möglich. Darunee erklärte ihm, dass sie von der Schwangerschaft erst gemerkt hatte, als er die Armee verlassen hatte und sie damals keine neue Adresse von ihm besaß. Außerdem hatte sie nicht geglaubt, dass er der richtige Vater für ihre Tochter sein würde. Allerdings habe sie in der Zwischenzeit gar keinen gefunden. „Aber jetzt, Roderick, musst du etwas für mich tun. Für deine Tochter. Wenn du nicht mit dem Schulgeld hilfst, dann muss sie die Schule verlassen und dann weiß ich nicht, wie es weitergeht.“

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