(293) Wer war das?

von Alain Fux

„Wer war das?“ Cynthia stand im Flur, als Sterne wieder hereinkam. In der Hand hielt sie eine Saugglocke, mit der sie den Abfluss im Bad wieder freigemacht hatte. „Es waren Leute vom Geheimdienst. Sie wollten etwas über jemand wissen, mit dem ich bei der Armee war.“ – „Meine Güte, Roderick. Manchmal glaube ich, dass ich gar nichts über dich weiß.“ Dabei wusste Cynthia viel mehr als erlaubt war. Neben ihrer offiziellen Funktion als Haushälterin teilte sie auch das Bett mit Reverend Sterne. Und sie wollte am Liebsten noch mehr. Manchmal bedauerte es Sterne, dass er keine katholische Frau eingestellt hatte. Sie hätte wenigstens das grundsätzliche Verständnis, dass Priester nicht heirateten. Cynthia war Anglikanerin und für sie war ein unverheirateter Priester eine Herausforderung. Da sie auch noch zwanzig Jahre jünger war als er, hatte sie durchaus auch Methoden, die Herausforderung für ihn sehr hart werden zu lassen. So trug sie zum Beispiel an manchen Tagen keine Unterwäsche im Haus. Sie wusste, dass es ihn nervös machte und er dann öfters an sie dachte. Außerdem war er nicht gut darin, mit Versuchungen fertig zu werden.

Sie ging wieder zurück ins Bad und wusste, dass er ihr folgen würde. Am Waschbecken setzte sie die Saugglocke an und pumpte das Wasser im Siphon hin und her. Es war anstrengend und sie beugte sich nach vorne, um ihre ganze Kraft einzusetzen. Sterne setzte sich auf den geschlossenen Klodeckel. Sie wusste, dass er versuchen wollte, einen Blick unter ihre Kittelschürze zu werfen. Sie hielt mit dem Pumpen auf und drehte sich zu ihm. „Warum trittst du nicht einfach in die anglikanische Kirche ein und wir können mit dem Versteckspiel aufhören?“ Sterne seufzte. Diese Diskussion hatten sie mindestens einmal in der Woche. Aus der tiefen spirituellen Erfahrung, die er hatte, als er noch bei der Armee war und die ihn dazu bewegt hatte, Katholik und Priester zu werden, war nicht mehr viel übrig geblieben. „Das geht nicht so einfach. Das ist kein Job wie ein anderer.“ – „Aber anglikanische Geistliche machen das gleiche wie katholische und glauben sogar an den gleichen Gott. Aber sie dürfen heiraten und ein normales Leben führen.“ Während Cynthia vor ihm gestikulierte, bewegten sich die Zipfel ihrer Kittelschürze und er konnte einen Teil ihrer Oberschenkel sehen. Er streckte die Hand danach aus, aber sie wedelte ihn mit der Saugglocke weg. „Alles betatschen, aber nichts kaufen, so macht Ihr das bei den Katholiken.“ Aber sie sagte es nur im Scherz, denn sie stellte die Saugglocke weg und kam näher. Als sie vor ihm stand, hob sie ganz kurz die Schürze und er sah, dass sie darunter wirklich ganz nackt war. Und wie immer wurde ihm dann schummrig im Kopf. Mit der Hand fuhr er an ihrem Bein entlang nach oben und streichelte sie. Nach ein paar Minuten ging sie in sein Schlafzimmer und er ließ Toby herein und verriegelte die Haustür. Der Hund legte sich in seinen Korb und Sterne legte sich zu Cynthia ins Bett. Als sie nachher erschöpft aneinander gekuschelt ruhten, sagte Cynthia, dass es schön war. Kurz darauf musste Sterne aufstehen und sich anziehen, denn er hatte jetzt Beichtdienst.

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