(292) Reverend Roderick Sterne beschnitt gerade seine Rosen, als Toby kurz bellte.

von Alain Fux

Reverend Roderick Sterne beschnitt gerade seine Rosen, als Toby kurz bellte. Mit der Rosenschere in der Hand ging Sterne zur Vorderseite des Pfarrhauses. Vor dem Haus hielt ein bulliger schwarzer Wagen mit dunkelgetönten Scheiben. Keiner aus dem Ort fuhr einen solchen Wagen. Sterne fragte sich, wer ihn besuchen kam. Dann gingen die Türen auf und zwei Männer stiegen aus. Der Fahrer trug eine schwarze Lederjacke und der Beifahrer einen schwarzen Anzug. Zudem trugen beide dunkle Sonnenbrillen. Schwarz schien auf jeden Fall die präferierte Farbe seiner Besucher zu sein. Sterne fragte sich schon, ob der Teufel ihm seine Aufwartung machte, aber das wäre für einen einfachen Landpfarrer wie ihn doch der Ehre zu viel gewesen.

Sterne legte die Rosenschere ab, zog seine Gärtnerschürze aus und legte sie über eine Hecke. „Gott segne Sie, meine Herren. Was kann ich für Sie tun?“ Der Fahrer hielt sich zurück und wartete, bis der andere Mann den Wagen umrundet hatte. „Sind Sie Roderick Sterne?“, fragte er. „Reverend Roderick Sterne, zu Diensten. Was kann ich für Sie tun?“ – „Können wir uns irgendwo ungestört unterhalten?“ – „Wer sind Sie denn?“ – „MI5“, sagte der Beifahrer und zeigte beiläufig eine Marke, die er aus der Hosentasche zog.

Im Pfarrbüro fragten seine Besucher den Pfarrer nach einem Ausweis und er zeigte ihnen sein Zelebret, seinen Priesterausweis, den der Fahrer mit seinem Smartphone fotografierte. „Kennen Sie dieses Bild?“, fragte der andere Mann und legte Sterne ein Foto vor. Sterne setzte seine Brille auf und schaute es sich an. „Oh ja, das war während meiner Militärzeit. Woher haben Sie das Foto?“ – „Das können wir Ihnen nicht sagen. Welche Personen erkennen Sie darauf?“ Sterne schaute genauer hin. „Links neben mir, das ist Steve. Parrington, oder so was, an den Familiennamen kann ich mich nicht mehr erinnern. Wir waren befreundet damals. Weiß nicht, was aus ihm geworden ist. Die anderen kenne ich nicht. Auch damals kannte ich sie nicht, das Foto war etwas seltsam zustande gekommen. Einer von den anderen wollte es aus Jux aufnehmen. Ich glaube, er wollte seinem Bruder zeigen, was für zähe Burschen wir waren. Er hat dann die anderen zusammengerufen und wir haben nur posiert. Es war sehr kalt und wirklich nicht angenehm, dort Karten zu spielen.“ Dann befragten sie ihn weiter aus zu Steve. Sterne wusste aber nicht mehr über Steve, als das, was sie gemeinsam beim Militär erlebt hatten. „Er hatte eine Freundin, die es nicht toll fand, dass er in der Armee war. Das und vielleicht auch weil ich mein Leben damals umkrempelte, hatten wohl dazu geführt, dass auch er ausschied. Danach hatte ich keinen Kontakt mehr. Ist was mit ihm?“ Doch das wollten ihm seine Besucher wohl nicht auf die Nase binden. Sie standen auf und gaben ihm eine Telefonnummer für den Fall, dass ihm noch etwas einfiel. „Nach wem soll ich dann fragen?“ – „Sie brauchen nach niemand zu fragen. Sagen Sie nur am Telefon, was Sie wissen und es wird uns schon finden.“ Sterne begleitete sie nach draußen und sah belustigt, dass Toby gerade an einen Reifen des Autos pinkelte. Der Fahrer sah es auch und sagte nur „Scheiß Töle.“ Dann fuhren sie in einer Staubwolke davon.

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