(291) Steve Partridge war zur Armee gegangen, weil ihm damals nichts Besseres einfiel.

von Alain Fux

Steve Partridge war zur Armee gegangen, weil ihm damals nichts Besseres einfiel. Das Foto war aus dieser Zeit. Es waren eigentlich vier angenehme, aber nutzlose Jahre gewesen. Im günstigsten Fall hätte er durch die Monotonie des Dienstes seine Bestimmung erfahren können. So aber hatte er nur Sabrina kennengelernt, wegen ihr den Dienst quittiert und sie dann wieder verloren. Das Foto zeigte sieben Soldaten um einen Tisch herum, der draußen im Schnee stand. Fünf saßen am Tisch und spielten Karten, zwei standen dahinter. Alle feixten in die Kamera, auch Steve, der Zweite von Links. Gut kannte er nur den Nebenmann auf dem Foto, Roderick Sterne, der ebenfalls nach vier Jahren die Armee verlassen hatte. Damals waren sie gut befreundet gewesen. Nach der Armee trat Sterne zum katholischen Glauben über und wurde, soweit Steve wusste, Priester. Die anderen fünf auf dem Foto kannte er nicht. Sie dienten zwar in der gleichen Kaserne, vor der auch das Foto aufgenommen wurde, aber hatten sonst nichts miteinander zu tun. Er und Sterne waren zufällig vorbeigekommen, als das Foto gemacht wurde und man hatte sie gebeten sich dazu zu setzen. Es ging darum, zu zeigen, dass man in der Armee so hart sei, dass man auch bei Schnee draußen noch Karten spielte. Naja. Steve hatte niemals bei der Armee Karten gespielt, weder drinnen noch draußen.

Tom war mit der Erklärung nicht zufrieden. Er deutete auf einen der Soldaten, der auf der rechten Seite hinter dem Tisch stand und in die Karten kiebitzte. „Wer ist das?“ Steve schaute genauer hin. Der Mann war mittelgroß, trug wie die meisten anderen einen Schnurrbart (auch Steve hatte damals einen, bis Sabrina ihn bat, sich glatt zu rasieren). Er hatte etwas schütteres Haar. „Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht an den Mann erinnern – weiß nicht, wie er heißt oder was aus ihm wurde. Der einzige, den ich kenne, ist Roderick Sterne. Was ist mit dem Mann?“ Als Antwort wollte Tom, dass Steve noch einmal die ganze Geschichte mit der Zigarette erzählte. Er tat es und war sich sicher, dass er es ganz genau gleich erzählt hatte wie vorher. Er hatte keine Erfahrung mit Verhörmethoden, aber es ging bestimmt darum, dass er sich in Widersprüche verwickelte und dass man ihn dann festnageln konnte. „Fällt Ihnen jetzt ein, wie der Mann hieß“ Tom zeigte wieder auf das Foto. „Nein, wirklich nicht.“ – „Sie brauchen es nicht zu leugnen. Wir wissen mehr, als Sie denken. Der Mann wird gesucht, weil er Geheimnisse an die Chinesen verraten hat. Er hat Informationen verkauft. Und das haben Sie auch gemacht. Haben Sie dazu mit Lance Hanes weiter Kontakt gehalten? Wie viel hat er Ihnen gezahlt?“ – „Heißt der Mann Lance Hanes?“ – „Tun Sie doch nicht so, Steve, Sie wissen ganz genau, wie der Mann heißt. Steckt Sterne auch mit Ihnen beiden unter einer Decke? Gestehen Sie doch endlich, Mann. Sie wissen, dass wir Sie immer noch vor ein Kriegsgericht bringen können? Wir reden hier von Hochverrat. Seit 1998 ist die Todesstrafe dafür zwar abgeschafft, aber diese Anklage ist auch heute kein Zuckerschlecken!“

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