(290) Jetzt noch mal von vorne, Steve.

von Alain Fux

„Jetzt noch mal von vorne, Steve. Wie kam Ihre Zigarette in den Top Secret Post?“ Steve saß vor dem weißen Tisch wie ein verprügelter Schuljunge. Auf der anderen Seite ein junger Mann, der sich als Tom vorgestellt hatte. Er trug einen militärisch wirkenden Haarschnitt und hinter seiner angenehmen Stimme konnte man die Härte erahnen.

Als Steve am Vortag aus dem Pub herauskam und seinen Wagen aufschließen wollte, sprangen mehrere vermummte Gestalten mit Schnellfeuerwaffen aus den Gebüschen und hatten ihn kurzerhand in einen Sack gestopft und abtransportiert. Als man ihm den Sack abnahm, war er in diesem Zimmer. Draußen war es dunkel gewesen und durch das Fenster konnte er die Kräne des Stützpunkts erkennen. Er kannte den Raum nicht, aber er war in Faslane. Seine eigenen Leute hatten ihn entführt. Dann kam Tom und seitdem verhörte er Steve immer wieder. Es waren lange Sessions, die dann und wann mit Pausen unterbrochen wurden. Die Zeit konnte Steve nur an der Helligkeit draußen ablesen. Jetzt wurde es wieder dunkel und Tom wollte die ganze Geschichte noch einmal durchgehen. Immer und immer wieder. Verdammt, er war im Stützpunkt doch nur für die Putzfrauen verantwortlich. Was wollten sie von ihm? „Ich weiß nicht, warum eine Zigarette von mir in diesen Raum gekommen ist. Ich kenne den Raum nicht und war noch nie darin. Er gehört zu dem Teil des Stützpunkts, zu dem ich keinen Zugang habe. Wie oft soll ich das denn noch sagen?“ – „Warum haben Sie gestern im Pub damit geprahlt, Geheimagent zu sein?“ Steve hielt inne. Das war ein neuer Vorwurf. „Das habe ich nicht. Ich rede nie über meine Arbeit.“ – „Sie haben ja auch nicht über die Putzfrauen geredet, sondern über geheimdienstliche Tätigkeit. Für wen arbeiten Sie denn?“ – „Ich bin kein Geheimagent. Ich organisiere die Reinigung des Stützpunkts. Das ist alles.“ – „Warum waren Sie nach vier Jahren bei der Armee ausgetreten?“ – „Weil ich eine Frau kennengelernt hatte und mein Leben flexibler organisieren wollte. Das habe ich doch schon erklärt. Steht auch in meiner Personalakte.“ – „Und warum haben Sie sich dann bei dem Stützpunkt beworben?“ – „Weil es nichts mit der Frau wurde und ich eigentlich gerne in der Armee war. Nur als Ziviler Angestellter konnte ich zurück.“ – „Warum wollten Sie unbedingt nach Faslane?“ – „Ich stamme aus der Gegend und es gibt hier keine anderen Militäreinrichtungen.“ – „Unsinn, Sie wollten den Stützpunkt ausspionieren. Und das werden wir Ihnen auch nachweisen, Steve. Warum kooperieren Sie nicht? Es kommt doch alles raus und dann wird es doch viel schlimmer. Alles!“

Es klopfte an der Tür. Tom ging hinaus. Es war sehr still in dem Raum. Steve schaute aus dem Fenster zu den Spitzen der Kräne, die wie nach oben gereckte Arme aussahen, an deren Spitze eine rote Warnlampe blinkte. Er war müde und wäre bestimmt eingeschlafen, wenn Tom nicht wieder hereingekommen wäre und ein Foto auf den Tisch gelegt hätte. „Wir haben dieses Foto in ihren Unterlagen gefunden. Erzählen Sie mir mehr darüber.“

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