(289) Carl Webber wusste von Steve Partridge, dass er bei der Armee arbeitete.

von Alain Fux

Carl Webber wusste von Steve Partridge, dass er bei der Armee arbeitete. Steve hatte es bei einem Pub-Besuch erwähnt, als er schon reichlich viel getrunken hatte. Sonst war er ja immer sehr diskret, wenn er in den Three Silver Pins kam. Carl war der Besitzer des Pubs und, wie die meisten Wirte, neugierig. Viele Gäste arbeiteten im Marinestützpunkt und machten auch keinen Hehl daraus. Carl wusste, dass sie Schlosser, Elektriker oder sonst was waren. Nur Steve hatte bisher noch nie gesagt, was er genau machte. Carl hatte den Verdacht, dass er für den Geheimdienst arbeitete.

„Noch einen Johnnie, Steve?“ Johnnie Walker war Steves Standardgetränk. Auch dabei hob er sich von den anderen Stammgästen von Carl ab, die hauptsächlich Ale oder Stout tranken. Manchmal auch einen Kurzen, aber nicht immer. Bei Steve war es immer Whisky und er konnte eine Menge davon vertragen. Steve nickte und Carl hielt das Glas unter den Dosierer. „Harter Tag im Job, Steve?“, fragte Carl, als er das Glas auf den Tresen stellte. „War ok.“ Carl musste einem anderen Gast ein Bier zapfen. Als er fertig war, stellte er sich zum Gläserpolieren vor Steve. „Muss ein verdammt interessanter Job sein, wenn ich mir das so vorstelle. Der Traum für jeden Jungen.“ Steve trank und es sah aus, als ob er darüber nachdachte. „Ja, nicht schlecht.“ – „Also für mich wär das nichts. Diese gefährliche Seite und dann die vielen Reisen. Ich kriege ja schon Herzrasen, wenn ich einen James Bond-Film nur sehe.“ Steve musste lächeln. Carl lächelte auch. „Ja, wenn man das ständig macht, dann kommt einem das ja auch nicht so besonders vor. Ha, wie Gläserpolieren, oder?“

Steve lächelte wieder. Carl war glücklich, er schien etwas Zugang zu Steve zu bekommen. „Es gab ja heute irgendwelche Probleme auf der Basis, habe ich gehört. Alles dicht, kilometerlange Staus.“ Steve trank einen Schluck, Carl hing an seinen Lippen. „Ja. Habe ich auch gehört.“ Carl verzog das Gesicht, er hatte Steve wieder verloren. Machte dicht, wie die Basis.

Steve stellte das Glas hin und erhob sich vom Barhocker. Er ging zu der Tür mit der Aufschrift ‚Gents‘. Ein sehr unauffälliger Mann, dachte Carl, solche Leute suchen die. Dann kam Will an den Tresen und bestellte ein Pint Deuchars. Während Carl den Pumpenschwengel zog, sagte er zu Will: „Steve arbeitet beim Geheimdienst, er hat es mir eben gesagt.“ Will nickte. „Das wundert mich nicht. So wie der immer alleine da sitzt und in seinen Drink starrt. Denkt wahrscheinlich an all die Typen, die er über die Klinge springen ließ.“ Dann kam Steve zurück und schwang sich wieder auf den Barhocker. Will nahm sein Ale in Empfang und zahlte. Carl polierte weiter seine Gläser. „Kommt es eigentlich oft vor, dass fremde Mächte versuchen, auf die Basis einzudringen?“ Darauf antwortete Steve nicht mehr und Carl erkannte, dass er den Bogen überspannt hatte. Er verzog sich ans andere Ende des Tresens, denn einen so guten und regelmäßigen Kunden wie Steve wollte er nicht verlieren. Schließlich hatte Steve seinen Drink ausgetrunken, stand auf und ging zur Tür hinaus. Kaum war er draußen, erzählte Carl anderen Gästen von Steves Job und schmückte sein Unwissen mit Versatzstücken aus Spionagefilmen aus, die er mal gesehen hatte. In seiner Schilderung wurde Steve zu einem Superagenten.

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