(287) Eigentlich hätte Captain Edward Peely jetzt mit seiner Familie am Strand der Costa del Sol liegen sollen.

von Alain Fux

Eigentlich hätte Captain Edward Peely jetzt mit seiner Familie am Strand der Costa del Sol liegen sollen. Stattdessen stand er im abgedunkelten Hotelzimmer und sprach in sein abhörsicheres Mobiltelefon. Die Sicherheit war zwar nicht optimal, aber zumindest hatte er Zimmer 241 nach Wanzen abgesucht und nachgeschaut, dass die Nachbarzimmer auch wirklich leer waren. „Können Sie mir den Stand zusammenfassen, Commander Sturgess.“ Peely war auf dem Marinestützpunkt Faslane für die innere Sicherheit verantwortlich. Jon Sturgess, ein ambitionierter aber solider Mann, war sein Stellvertreter. Ausgerechnet während Peelys Urlaub hatte es einen Alarm gegeben und man hatte die Basis völlig abriegeln müssen.

„Ich ging vorschriftsgemäß um 14 Uhr in den Top Secret Post, um das All-clear einzugeben. Vorher war ich um 12 Uhr dort und da war alles in Ordnung. Um 14 Uhr fand ich allerdings unter dem Schreibtisch eine Zigarettenkippe. Ich habe sofort den Alarm ausgelöst. Der Stützpunkt kam in Lock-Down Modus und es wurde nach unautorisiertem Personal gefahndet.“

Der Top Secret Post war das Herzstück des Stützpunkts, wo der Computer mit der höchsten Sicherheitsstufe stand und über den der gesamte Kommunikationsverkehr für die U-Boot-Flotte lief. Nur vier Personen hatten Zugang zu dem Raum: der Befehlshabende Offizier des Stützpunkts, sein Stellvertreter, Peely und Sturgess. Natürlich war in dem Raum das Rauchen untersagt, aber keiner der vier rauchte. Es musste ein Unbefugter dort eingedrungen sein.

„Haben Sie die Zugangslogs überprüft?“ – „Ja, negativ.“ – „Welche Marke war es?“ – „Marlboro, Sir. Der Stummel wird bereits im Labor auf DNA-Spuren untersucht.“ – „Wie ist der Status des Stützpunkts?“ – „Alarmstufe Rot. Wir sind streng nach Vorschrift vorgegangen, Sir. Alle Zufahrtswege sind gesperrt. Das Personal, das um 14 Uhr auf dem Stützpunkt war, ist immer noch dort. Zusätzlich haben wir das Personal, das die Basis nach 12 Uhr verlassen hat, inzwischen zurückgeholt und bis auf Weiteres in der Kantine festgesetzt. Keine weiteren Personen werden auf das Gelände gelassen.“ – „Was sagen die Geheimdienstler?“ – „Wenig. Ich habe den Eindruck, dass sie ratlos sind. Wenn Sie erlauben: Ich bin es auch, Sir. Einerseits ist es unvorstellbar, dass jemand die Sicherheitsvorkehrungen durchbricht und in den Raum gelangt, ohne dass etwas darüber in den Logs steht. Andererseits ist es ebenso unvorstellbar, dass so jemand in dem Top Secret Post eine Zigarette raucht und die Kippe dann unter den Tisch fallen lässt.“ Peely nickte. „Mir fällt nur ein: Sind Sie sicher, Commander Sturgess, dass Sie die Kippe nicht unter dem Schuh hatten, als sie reingingen?“ – „Ja, Sir. Die Kippe war nicht zerdrückt, wie es der Fall sein müsste. Ich hatte daran gedacht, aber diese Möglichkeit scheidet aus.“ – „Können Sie mich zum Befehlshabenden durchstellen.“ Sturgess ging aus der Leitung und Peely wartete. Es war an seinem Vorgesetzten zu entscheiden, ob Peely seinen Urlaub abbrechen musste oder nicht. Seine Familie würde er erst einmal in Spanien lassen. Wegen einer Kippe. Gleichzeitig lächerlich und unvorstellbar. Peely fragte sich, ob der Vorfall und die Tatsache, dass er nicht auf der Basis war, ein gutes oder schlechtes Licht auf seine Karriere warf. Er wurde in seinen Gedanken unterbrochen, als Sturgess ihm sagte, dass der Befehlshabende sich bei ihm melden werde.

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