(286) Helensburgh lag an einer weiteren Meeresbucht, dem Gare Loch, 30 Meilen vor Glasgow.

von Alain Fux

Helensburgh lag an einer weiteren Meeresbucht, dem Gare Loch, 30 Meilen vor Glasgow. Fraser mochte es, gemütlich durch die Highlands zu fahren und dabei seinen Gedanken nachzuhängen. Das unterschied ihn von diesen hypernervösen Londonern, die ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs waren.

Eine Viertelstunde vor seinem Ziel sah er plötzlich eine stehende Wagenkolonne vor sich. Etwa eine halbe Meile weiter vorne befand sich ein Kreisverkehr, bei dem die rechte Ausfahrt schnurstracks in den Marinestützpunkt Faslane einbog. Genau wie die Autofahrer vor ihm machte auch Fraser den Motor seines Landrovers aus. Im Rückspiegel erkannte er, dass bereits weitere Autos hinter ihm aufgereiht waren. Er lag gut in der Zeit und irgendwann würde es auch wieder weitergehen. Der Filmheini wäre bestimmt schon ausgeflippt und hätte einen Helikopter bestellt. Fraser schaltete das Radio ein, um zu hören, ob es irgendwelche Verkehrsdurchsagen gab. Hoffentlich hatte es keinen Störfall auf der Basis gegeben. Immerhin war es der wichtigste Stützpunkt der britischen nuklearbetriebenen U-Boote. Zu allem Überfluss hatten viele der Boote auch noch Trident-Raketen an Bord. Doppelte Gefahr sozusagen. Er schaute durch die Windschutzscheibe in den Himmel, konnte aber keinen Rauch oder sonstige Unregelmäßigkeiten erkennen. Vor allem keinen Atompilz, hielt er belustigt fest. In den Wagen vor ihm stiegen ein paar Männer aus, um eine zu rauchen oder sich die Füße zu vertreten. Fraser schaute auf die Uhr und rief seinen Transporteur an. „Ich werde mich verspäten. Hänge in Faslane in einem Stau fest. Warten Sie mit dem Einladen, bis ich da bin. Verschiedene Stücke bringen wir gleich zur Deponie, die stellen wir ganz hinten rein.“ Der Fahrer sagte, dass er schon da sei und einfach auf Fraser warten würde. Dann rief Fraser das Auktionshaus an und informierte sie über seine Verspätung. Die Frau am Telefon sagte, dass ihr Kollege wohl im gleichen Stau gefangen sei, Fraser solle sich also keine Gedanken machen. Wenigstens das, dachte Fraser. Er hoffte, dass der Transporteur keine Überstunden berechnen würde. Bei der Zeit, die Fraser schon auf LKWs hatte warten müssen, wäre das unfair.

Im Stau tat sich nichts. Der Autofahrer vor ihm hatte sein Fresspaket auf der Motorhaube ausgepackt und aß ein Sandwich. Fraser merkte, dass er auch Hunger bekam. Vielleicht gab es ja eine Demo bei der Marinebasis. Aber nein, diese waren ja immer im Februar und das hätte er mitbekommen. Vielleicht war es einfach nur ein Spion, der eingedrungen war. Vielleicht würde in Kürze auf der Gegenfahrbahn ein silberner Aston Martin auftauchen, in dem James Bond den Schurken jagte. Ein weiterer Schotte, James Bond. Vater stammte aus Glencoe. ‚Ha‘, dachte Fraser, ‚da hätte ich mal entlang fahren sollen, anstatt über Inveraray. Zwar eine halbe Stunde länger, aber keine Staus.‘ Der Fahrer vor ihm war mit seinem Sandwich fertig und stieg wieder in das Auto. Frasers Magen knurrte. Vielleicht sollte er einfach umkehren und den Umweg am Loch Lomond entlang fahren.

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