(274) Ganz toll, der Super-Professor.

von Alain Fux

Ganz toll, der Super-Professor. Im Institut schwang er ein Skalpell von der Größe eines Buschmessers und führte die Autopsie eines Elefanten durch. Ha! Der große Prof. Nikolaus Bachmann, der sich mit einem ganzen Arm voller Elefantendarmschlingen fotografieren ließ. Der Akademiker, der sich nicht davor scheute, seine Hände schmutzig zu machen. Ha!

Marina Bachmann war gerade nicht gut auf ihren Ehegatten zu sprechen. Wie oft hatte er ihr schon versprochen, einmal im Monat den Rasen zu mähen. Nein, der feine Herr. Dafür hatte er immer eine Ausrede. Und an wem blieb es hängen? Natürlich an ihr. Sollte er sich doch mal dabei fotografieren lassen. Der feine Herr Professor mit einem Arm voller frisch gemähten Grases.

Frau Bachmann war am Ende des Gartens angekommen und wendete mit Mühe den schweren Benzinrasenmäher. Wenigstens hatte das Gerät einen eigenen Antrieb und musste nur mit Kraft gewendet werden. Wenn es denn einmal geradeaus ging, war es nicht mehr so anstrengend.

Der Professor hatte ja mal wieder kurzfristig ins Institut gemusst, weil ein Kamel eine Kolik hatte und unbedingt, die heilenden Hände des großen Tiermediziners benötigte.

Sie überlegte es sich, ob sie nach dem Mähen einfach mal im Institut vorbeischauen sollte, ob es das Kamel wirklich gab. Oder ob damit vielleicht sie gemeint war. Marina das Kamel. Die ohne Murren den Rasen mähte und auch sonst alles tat, was notwendig war. So war das nicht geplant gewesen. Sie war jetzt 53 Jahre alt und was hatte sie vorzuweisen? Ein Sohn, der Kunstgeschichte studierte und einen gemähten Rasen. Alle Träume von Biologieforschung waren nach einem Jahr zusammen mit Nikolaus in der Serengeti abgehakt. Sie war schwanger und musste, meinte Nikolaus, unbedingt nach Hause. Er forschte noch drei Jahre weiter, kam zurück und bekam die Stelle am Institut, später die Leitung. Komfortabel für ihn. Er hatte einen Namen, veröffentlichte Artikel und suhlte sich in seinem Ruhm. Der jeden banalen Fakt aufbauschen konnte. Wie die Erzählung, dass er in den Dickdarm des Elefanten hinein pikste, dieser ein unglaublich fies stinkendes Gascocktail verpfiff, der alle außer dem Professor aus dem OP-Raum vertrieb. Diese Geschichte erzählte er momentan jedem, der sich nicht vorher verdrückt hatte.

Wieder musste sie den Rasenmäher in eine andere Richtung wuchten. Noch drei Bahnen und sie war fertig. Dann duschen. Sollte sie ins Institut fahren? Besser nicht. Sie würde ihn nachher fragen, wie es dem Kamel ging. Dabei fiel ihr ein Witz ein. Ein Elefant sah ein Kamel und sagte: „Warum trägst du eigentlich deine Brüste auf dem Rücken?“ Darauf antwortete das Kamel: „Wenn ich einen Penis im Gesicht hätte, würde ich mal die Klappe halten.“ Genau, dachte sie und lächelte für sich selbst.

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