(273) Hofmüller, der Mitarbeiter in der Tierärztlichen Fakultät hatte Kröpp zuerst den aufgeschlitzten Elefantenkadaver gezeigt.

von Alain Fux

Hofmüller, der Mitarbeiter in der Tierärztlichen Fakultät hatte Kröpp zuerst den aufgeschlitzten Elefantenkadaver gezeigt. Das Tier lag da wie ein Berg und daneben war ein weiterer Berg, das waren die Därme. „Das ist wie beim Kofferpacken“, meinte Hofmüller. „Wenn man wegfährt, passt alles problemlos in den Koffer, aber wenn man zurückkommt, dann kriegt man den Koffer mit der schmutzigen Wäsche nicht mehr zu. Warum, ist ein Rätsel.“ Kröpp nickte überwältigt und ließ sich den Nebenraum zeigen, in dem er Mavinda zerteilen konnte. Wenigstens gab es einen fahrbaren Flaschenzug, mit dem er den Kadaver herüber schaffen konnte. „Womit werden Sie arbeiten?“, fragte Hofmüller. „Ich habe eine Kettensäge und ein paar mechanische Sägen dabei. Und natürlich Messer und Äxte.“ Hofmüller nickte. „Ja, bei Ihnen kommt es ja auf das Ergebnis an, da braucht man nicht mit dem Skalpell zu arbeiten.“ – „Nee“, sagte Kröpp. „Das kommt alles eh in den Fleischwolf. Da braucht man keine Rücksicht zu nehmen.“ – „Bewundernswert.“ Zusammen hievten Sie den Elefanten an den Flaschenzug und brachten ihn ins weiß gekachelte Zimmer. „Die Därme mache ich zum Schluss. Die stopf ich in ein Fass bis es voll ist, schneide ab und mache mit dem nächsten Fass weiter“, erklärte Kröpp. „Gut. Ich lasse Sie dann arbeiten. Sagen Sie Bescheid, wenn Sie Hilfe brauchen.“

Dann war Kröpp mit dem ausgeweideten Elefanten alleine. Er zog einen weißen Einweg-Schutzoverall an, die orangefarbenen Gummistiefel und setzte sich den Gesichtsschutz aus Plexiglas auf. Dann noch die stichfesten Handschuhe und er war bereit. Er schloss die Tür des Raumes. Er ging um die Elefantenleiche herum und überlegte sich, wie er sie am günstigsten zerteilen konnte. Nachdem er eine relativ klare Vorstellung von den notwendigen Schnitten hatte, startete er mit einem Ruck die Motorsäge. Er fing mit einem Bein an. Schon als er den Schnitt ansetzte, war ihm klar, dass das Sägeschwert von 43 Zentimetern eigentlich zu kurz war. So musste er um das Bein herum schneiden, anstatt einmal von einer Seite durchzusägen. Das Blut war an manchen Stellen noch flüssig und spritzte aus dem Schnitt heraus gegen die Kachelwand. Einmal, als Kröpp die Säge anders ansetzte, traf ihn ein ganzer Schwall ins Gesicht und er war froh, den durchsichtigen Gesichtsschutz zu tragen. Es war sehr anstrengend und er begriff nach kurzer Zeit, warum ein Elefant auch Dickhäuter genannt wurde. Es war sein Ziel, den Elefant in solche Stücke zu zerteilen, dass sie in eines seiner blauen Plastikfässer hineinpassten. Als er mit dem ersten Bein fertig war, schaltete er die Säge aus und fing an, das größte Beinstück in eines der Fässer zu stopfen. Dabei stellte er fest, dass die Stücke, die er geschnitten hatte, immer noch zu groß waren. Eigentlich hatte er sich vorgestellt, die Elefantensache alleine zu regeln. Aber er sah ein, dass er seine Mitarbeiter einbeziehen musste. Sonst würde der Elefant schon stinken, bevor er mit dem Abtransport fertig war.

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