(272) Kröpp hatte eigentlich gedacht, dass er sein Glück nicht noch steigern könnte.

von Alain Fux

Kröpp hatte eigentlich gedacht, dass er sein Glück nicht noch steigern könnte. Er hatte sich geirrt. Am nächsten Tag erhielt er einen Anruf von der Tierärztlichen Fakultät. Im Zoo war die Elefantendame Mavinda gestorben und sollte in der Uni obduziert werden. Der Assistent des Professors, ein Mann namens Melchior Hofmüller, fragte Kröpp, ob er Interesse daran habe, die Karkasse von Mavinda nach der Obduktion zu übernehmen. Es war für die Uni eine Frage der Kosten, denn der Container für tierpathologische Abfälle war nicht ausreichend groß für einen Elefanten, auch nicht für einen indischen, die ja bekanntlich kleiner waren als die afrikanischen. Die Weibchen sowieso. Kröpp war zwar gleich Feuer und Flamme, gab sich aber zuerst vorsichtig. Er hatte zwei Fragen: 1. War das Fleisch von Mavinda gesund? 2. Wie viel kostete es?

Hofmüller versicherte ihm, dass Mavinda keine Krankheiten hatte, sondern bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Falls ein anderer Befund bei der Obduktion herauskäme, wäre die Uni sowieso nicht in der Lage, Kröpp das Fleisch zu geben – es müsste dann verbrannt werden. „Wir wissen zwar nicht, wie wir das machen würden – aber diese Brücke überqueren wir, wenn wir dahin kommen“, sagte der Assistent, der längere Zeit an der Berkeley Universität in Kalifornien gearbeitet hatte. „Wir wollen kein Geld für die Überreste, denn ein Entsorgen kostet uns mehr. Aber Sie müssten Mavinda, oder was davon übrig bleibt, selbst abholen. Und nur damit Sie sich nicht wundern: Es werden ein paar Steaks fehlen, wir haben noch ein institutseigenes BBQ am Tag danach.“ Kröpp sagte, dass das kein Thema sei, bat aber um eine Abschätzung des Volumens, damit er für den Transport ausreichend Fässer mitbringen würde. Hofmüller rechnete laut vor sich hin: „Das haben wir gleich. Nehmen wir an, der Elefant wäre ein Prisma mit Kantenlänge 3x3x2 Meter, dann hätten wir ein Volumen von 18 Kubikmetern, sagen wir 12, da es kein Prisma ist. Gewicht sagen wir 4-4,5 Tonnen.“ – „Oh je“, sagte Kröpp, „da muss ich ja mehrmals fahren, so viel kriege ich nicht in den Transporter. Und ich brauche mehr Fässer…“ – „Wollen Sie Mavinda nicht?“ – „Doch! Natürlich. Ich muss nur überlegen, wie ich das mache. Hat der Elefant Stoßzähne?“ – „Negativ.“ – „Und wie groß werden die Teile sein, die ich abhole?“ – „Na ja, das werden schon größere Teile sein. Wir werden dem Tier nur den Bauch aufschlitzen und die Innereien anschauen. Ich schätze, mein Chef wird auch noch den Rüssel aufschlitzen, denn Elefanten haben wir selten auf dem Tisch. Aber ich sage Ihnen was: Wenn Sie schweres Gerät mitbringen, dann stelle ich ihnen einen Raum zur Verfügung, in dem Sie die Teile auf Fassgröße zerteilen können. Sie müssten nachher nur mit dem Hochdruckreiniger den Raum wieder säubern.“ – „Das ist sehr freundlich, Herr Hofmüller“, sagte Kröpp. „Ich mache es auf jeden Fall. Wann sind Sie mit der Obduktion fertig?“

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