(269) Einen Vormittag hatte Connie für Eamonn nackt im Farn gestanden.

von Alain Fux

Einen Vormittag hatte Connie für Eamonn nackt im Farn gestanden. Die meiste Zeit aber, in der sie für ihn Modell stand, waren sie in seinem Atelier gewesen. Es war anstrengend, auf einem Bein so dazustehen, als ob sie durch den Farn lief. Zur Entlastung hatte er ihr einen Schemel mit einem Kissen unter den Unterschenkel des anderen Beins geschoben. Aber an jedem Tag war sie froh, wenn er sie in die Arme nahm und sie auf der Couch im Atelier Sex hatten. Es entspannte sie jedes Mal vollends. Sie kannte Eamonn erst seit einem Monat, aber er war für sie der wichtigste Mensch in ihrem Leben geworden.

„Übrigens“, hatte Connie Amber beiläufig gesagt, als sie das geänderte Bild zurückgebracht hatte, „sein Ding ist wirklich so groß.“ Und als Amber der Mund offen stehen blieb, fügte sie hinzu: „Und das Bild heißt jetzt ‚William Wordsworth will im Easedale Tarn baden und sieht nach, ob er alleine ist‘.“

Der neue Titel war von Connie. Eamonn fand ihn klasse und das Bild wurde auch wirklich so bei der Schau der Lake Artists ausgestellt. Ein reicher Sammler aus London, der in Windermere eine Ferienvilla hatte, kaufte es für den geforderten Preis und wollte weitere Gemälde von Eamonn Mellors erwerben. Als er sich aber Mellors Vorproduktion anschaute, änderte er seine Meinung. Das kränkte Eamonn aber nicht, denn er wusste, dass mit Connie für ihn ein neues Leben angefangen hatte. Er nannte sie fortan nur noch seine Muse und hatte sie gefragt, ob sie für ihn nackt im Farn posieren wolle. Da Connie wegen ihrer Erbschaft nicht arbeiten musste, hatte sie nichts Besseres zu tun und sagte zu. Allerdings, wie gesagt, sie wollte nicht tagelang ohne einen Fetzen Kleidung im Farn stehen. Eamonn äußerte Verständnis. Außerdem wollte sie, dass dieses Bild nicht ausgestellt werden würde. „Dieses Bild wird nur für uns sein“, sagte Eamonn und küsste sie. Als er die letzten Schatten fertig hatte, standen sie gemeinsam vor der Staffelei im Atelier und schauten sich das Gemälde an. „Sind meine Brüste wirklich so groß?“, fragte Connie. „Ich denke schon“, antwortete Eamonn, „sonst hätte ich sie bestimmt kleiner gemalt. Mein Pinsel lügt nicht.“ Zur Sicherheit stellte er sie neben die Leinwand und verglich die Größe. „Das sieht sehr naturgetreu aus“, bestätigte er. „Es erinnert mich an Keats‘ Gedicht ‚To Autumn‘: ‚Season of mists and mellow fruitfulness/ Close bosom-friend of the maturing sun/ Conspiring with him how to load and bless/ With fruit the vines that round the thatch-eaves run“.

Connie musste lachen. „Du bist ein Spinner, Eamonn Mellors. Und ich liebe dich.“ Sie drückte ihn auf das Sofa und knöpfte ihm die Hose auf     . „Dich und dein Ding“, fügte sie gierig hinzu. Eamonn grinste.

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