(261) Jay Hummingbird war ekstatisch über den Erfolg der Pharaonen-Anzeige.

von Alain Fux

Jay Hummingbird war ekstatisch über den Erfolg der Pharaonen-Anzeige. Es war ein verzweifelter letzter Versuch gewesen, den drohenden Bankrott abzuwenden. Jetzt war sein Bestattungsunternehmen nicht nur saniert, sondern komplett ausgelastet. Er würde mehr Einbalsamierer einstellen müssen. Anfragen kamen von all den neuen Rentnerstädten her. Dort hatten die Leute viel Geld und viel Zeit, um sich mit den letzten Dingen zu beschäftigen. Wenn es eine Methode gab, die teurer und exklusiver war, dann nur her damit. Das war die Einstellung.

Hummingbird überlegte, seine Geschäftsidee in ein Franchise-Unternehmen unterzubringen. ‚Pharaonic Embalming‘ hatte er sich bereits schützen lassen und eine Website mit dem Namen gab es auch schon. Das Logo, auch geschützt, stellte eine goldene Pyramide dar. Die Marke war umso wichtiger, weil die Technik selbst nicht so kompliziert war. Er hatte alles in Archäologiebüchern recherchieren können. Wichtig war es, das ganze Glibberzeug aus dem Körper rausnehmen und den Rest zu trocknen. Bei den alten Ägyptern hatte der komplette Prozess 70 Tage gedauert, wobei der größte Teil für die Trocknung durch Natron notwendig war. Das war viel zu lange für aktuelle Bedürfnisse. Natürlich gab es viel Slack durch religiösen Mummenschanz, den man problemlos weglassen konnte. Um die Zeit weiter zu verkürzen hatte Hummingbird die Stellschrauben an zwei Stellen angezogen: Er hatte das Natron ersetzt durch ein Gemisch von Magnesiumsulfat und Kieselgel und er hatte für die Bandagen Baumwollgewebe mit zusätzlichen Lycrafäden gefunden. Die Baumwolle war immer noch 100% ägyptisch, aber durch die Elastizität des Materials konnte man viel schneller einen Körper in die klassische Mumienform verpacken. Damit kam er auf eine gesamte Durchlaufzeit von zehn Tagen, was zwar ein Spitzenwert war, den er aber noch senken wollte. Mit der Anzahl an Mumifizierungen würde man schon Wege finden, um die Prozesseffizienz zu erhöhen.

Neben der eigentlichen Mumifizierung plante Hummingbird den Bau von großen Friedhofspyramiden in den wichtigsten Rentnerstädten, angefangen in Sun City Arizona. Er hatte bereits Kontakt aufgenommen mit Veldon Simpson, dem Architekten des Luxor Hotels in Las Vegas. Der Bau stellte er sich ähnlich vor, nur sollten halt dort mumifizierte Tote ihre letzte Ruhe finden. Im Keller der Pyramiden würde man die Einbalsamierungsfabrik unterbringen. Der demografische Trend war eindeutig. Von solchen Pyramiden würde man in den nächsten zehn Jahren locker zwanzig bauen können. Es ging hier um ein Milliardengeschäft.

Das Telefon riss Hummingbird aus seinen Überlegungen. „Bestattungsinstitut Hummingbird“, meldete er sich mit routiniert belegter Stimme. „Was sagen Sie? Der Scheck war nicht gedeckt? Das kann nicht sein. Hören Sie, ich habe gerade Trauergäste im Haus, das ist jetzt ganz schlecht. Ich komme morgen zu Ihnen in die Filiale und dann reden wir. Einverstanden?“

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