(256) Steffen suchte Zuflucht auf dem Klo.

von Alain Fux

Steffen suchte Zuflucht auf dem Klo. Wenigstens hier war er vor seiner Familie sicher. Immer diese Fragen, ob er bald einen neuen Job haben würde, warum das denn so schwer sei. Das geheuchelte Mitgefühl, dass es noch nicht geklappt hatte, trotz seines Studiums und seiner ach so hohen Intelligenz. Familienfeiern waren die schlimmste Folter überhaupt und sie hinterließen nicht einmal sichtbare Spuren.

Als Steffen mit heruntergelassener Hose auf der Klobrille saß, bemerkte er, dass er immer noch die Affennase trug. Er nahm sie ab. Er schaute sich die Pappmaske von allen Seiten an. Den Affen machen, fiel ihm dazu ein. Vielleicht hatte er deshalb unbewusst gerade diese Maske ausgewählt. Er machte den Affen hier. Oder hieß es, dass er den dressierten Affen gab. Das wahrscheinlich auch. Aber auch Leute mit Elefantenrüsseln im Gesicht machten sich zum Affen.

Hannes war nicht wirklich eine Stimmungskanone. Wäre wahrscheinlich auch lieber woanders. Warum gehe ich nicht einfach mit ihm einen trinken, dachte er. Sein Schwiegervater war schon in Ordnung. Aber halt, war er das wirklich oder glaubte Steffen das nur, weil Hannes genauso unglücklich wirkte wie er. Beide standen sie rum und hielten Maulaffen feil, während um sie herum der Zirkus in der Stadt war. An Lieselotte schien Hannes auf jeden Fall keinen Affen mehr gefressen zu haben. Das war wahrscheinlich auch die Zukunft, die ihm bei Patricia blühte. Früher war sie ja stolz auf ihn gewesen. Es hatte ihrem Affen Zucker gegeben, mit ihm zusammen zu sein. Damals war auch er noch ein anderer. Und jetzt war sie manchmal wie vom wilden Affen gebissen. Tobte rum und war unzufrieden.

Sehr gut. Die Affenmaske passte wie die Faust aufs Auge. Er war auf dem Planet der Affen. Aber zumindest wusste er, dass er die ganze Zeit über auf dem gleichen Planeten gewesen war.

Was gab es sonst noch mit ‚Affe‘? Mich laust der Affe. Stimmte auch. Seit Jahren schon lauste er Steffen. Die ganze Zeit über dachte er, wann geht es denn endlich los? Wann passiert etwas? Und dann ist schon Halbzeit oder schlimmer. Und manchmal hatte er einen Affen sitzen oder kaufte sich einen. War das nicht der einzige Weg, es auf diesem Affenfelsen auszuhalten? Immer saß jemand über dir und schiss auf dich hinunter. Und irgendwann: Klappe zu, Affe tot. Irgendwann schon, hoffentlich nicht allzu bald.

Der Druck im Darm ließ nach und Steffen stellte fest, dass er auf der Brille saß, wie der Affe auf dem Schleifstein. Als er fertig war, stand er auf und blickte hinter sich. ‚Scheiße‘, dachte er angeekelt, ‚das sieht ja aus wie eine Affenfaust.‘

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