(255) Lieselottes 53. Geburtstag sollte lustig werden.

von Alain Fux

Lieselottes 53. Geburtstag sollte lustig werden. Nicht wieder so eine fade Familienfeier, hatte Patricia, ihre Tochter, gesagt. Deshalb hatte sie mit ihrer Tochter Thea, Lieselottes Enkelin, eine Überraschung ausgeheckt. Eigentlich war es Theas Idee gewesen, sagte Patricia. Auf jeden Fall sollte jeder bei der Party eine Tiernase tragen. Das war schon bei der Fastnachtsfeier der Schule der Renner gewesen. Steffen, Theas Vater, hatte nur den Kopf geschüttelt, aber Patricia meinte, dass das gut sei, wenn Thea selbst Ideen hatte und umsetzte.

Für ihre Großmutter hatte Thea eine süße Schweinsnase ausgewählt. Lieselotte freute sich mit ihrer Enkelin und posierte gut gelaunt mit ihr für Fotos, die Patricia schoss. Thea hatte sich eine Mausnase umgeschnallt. Auf einem Tisch lag die ganze Auswahl davon: Katze, Elefant, Affe, Ente, Hund, Tukan… Jeder durfte sich nehmen, was er wollte oder was noch übrig war. Steffen hatte sich eine Affenschnauze genommen. Irgendwie witzig war es schon, dachte er. Dann nahm ihn Lieselotte in den Arm und nannte ihn ihren affigen Schwiegersohn. Steffen war sich nicht sicher, was sie damit meinte. „Wo ist Hannes?“, fragte er, um das Thema zu wechseln. „Keine Ahnung“, antwortete sie und dann kam gerade Hannes zur Tür herein.

„Wo warst du?“, fragte Lieselotte Hannes, „Man vermisst dich.“ – „Ich musste noch zur Post“, sagte er. „Schon wieder? Wenn du Geburtstag hast, bekommst du von mir einen ganzen Bogen mit Briefmarken.“ – „Du siehst sehr attraktiv aus, mit der Schweinsnase“, antwortete er. „Was hat Vater dir denn zum Geburtstag geschenkt?“, fragte Patricia. „Er hat den Polstersessel, den ich neumachen ließ, abgeholt und bezahlt“, antwortete sie. „Das ist ja ein aufregendes Geschenk“, sagte Patricia.

„Opa, du musst dir auch eine Nase aussuchen“, meldete sich Thea. Sie führte Hannes zu dem Tisch, auf dem sie die Masken ausgelegt hatte. Es war nur noch eine Elefantenrüsselnase übrig. Keiner hatte sie haben wollen. „Du bist ein Elefant“, sagte Thea. Hannes musste in die Knie gehen und dann legte seine Enkelin ihm die Maske um. Patricia schoss ein Foto. Hannes versuchte noch, sein Gesicht zu verstecken, aber es war zu spät. Der Rüssel sah nicht besonders vorteilhaft aus. Er schaute sich im Spiegel und fand, dass der Rüssel wie ein schlaffer, faltiger Penis aussah. „Und ich bin der alte Sack, der dran hängt“, sagte er zu Lieselotte, die sich neben ihn gestellt hatte. Wortlos nahm sie ihm die Maske ab, setzte ihm ihre Schweinchennase auf und sich den Elefantenrüssel. „So besser?“, fragte sie. Aber dann brüllte schon Thea: „Das geht nicht, Oma, das Schwein bist du! Du darfst nicht einfach tauschen!“ – „Nein, nein“, sagte Hannes“, das Schwein bin ich.“ – „Und ich bin dann der Affe“, stellte Steffen fest.

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