(234) Klinger entschuldigt sich bei Sonja.

von Alain Fux

Klinger entschuldigt sich bei Sonja. „Mir sind in letzter Zeit so viele Fehler passiert. Es tut mir leid, dass Sie auch darunter gelitten haben. Die Kosten für das Restaurant waren immer sehr hoch gewesen. Das war auch so geplant, denn ich wollte die beste Qualität bieten. Aber irgendwann, es muss zu der Zeit gewesen sein, als dieser Klee anfing, stiegen die Kosten immer weiter in die Höhe. Das Restaurant machte Verluste. Ich sprach mit Niemann darüber, aber er war aufbrausend und sagte nur, dass Qualität seinen Preis habe. Mir war nicht bewusst, dass er sich gar nicht um die Einkäufe und die Kosten kümmerte, sondern das seinem Sous Chef überließ. Niemann war wie besessen darauf, die Rezepte immer weiter zu verfeinern. Alles andere war ihm egal. Und dann ist mir der Kragen geplatzt. Ich habe Sie ansprechen lassen, weil ich eine andere Führung der Küche haben wollte. Jemand, der es gewohnt ist, gut zu kochen, aber dabei auch immer die Kosten im Auge hatte. Niemann habe ich feuern lassen, aber den eigentlichen Missetäter hatte ich nicht einmal identifiziert. Und ich habe Sie alleine in diese Räuberhöhle gelassen. Es tut mir leid.“

Sonja hatte nicht damit gerechnet, dass jemand wie Klinger so einfach seine Fehler zugab. „Es ist alles in Ordnung. Seit Klee weg ist, hat sich das Klima in der Küche deutlich verbessert. Und die Kosten haben wir unglaublich reduziert. Beppo bedankt sich bei Ihnen für die großzügige Prämie.“ Klinger wehrte ab. „Wie geht es Ihrem Sohn?“, fragte sie vorsichtig. Klinger atmete einmal tief durch. „Noch ein Bereich, wo ich nur Fehler gemacht habe. Ich weiß nicht genau, was ich falsch gemacht habe, aber irgendetwas ist bei der Erziehung von Felix schief gelaufen. Es ist auch ein Armutszeugnis für mich, dass ich jetzt mehr Zeit als vorher mit ihm verbringe, seit er auf Kaution draußen ist und sich auf den Prozess vorbereitet. Wenn er nicht mein Sohn wäre, würde ich ihn verabscheuen.“ Sonja tat es leid, dass sie das Thema angeschnitten hatte. Sie wollte Klinger nicht in einem Moment der Schwäche erleben. Sie spürte, wie sie den Respekt vor ihm verlor. Aber sie konnte Klinger nicht stoppen. „Er wuchs ja im Wesentlichen bei den Großeltern auf. Ging mit dem Großvater viel zur Jagd. Hatte schon als Kind ein Gewehr. Vielleicht ist das der Ursprung dieser Gewalt. Ich weiß es nicht. Eigentlich dachte ich, dass er weltoffen und tolerant sei. Das war aber nur meine Sichtweise, weil ich in ihm das sehen wollte, was mir selbst wichtig ist. In Wirklichkeit ist er zu einem bornierten, dummen Spießer herangewachsen. Ich weiß nicht, wo das herkommt. Und wie man es wieder wegbekommt. Im schlimmsten Fall kommt er mit einer Bewährungsstrafe davon. Wahrscheinlich nicht einmal das, der Anwalt ist sehr gut. Aber was dann? Was kann ich machen, damit er so wird, wie ich mir das vorstelle? Vielleicht sollte ich Beppo als Erzieher einstellen, der ihm jedes Mal eins mit dem Plattiereisen überzieht, wenn er davor ist, Blödsinn zu machen.

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