(228) Das pelzige Gefühl im Mund war beim Aufwachen unangenehm.

von Alain Fux

Das pelzige Gefühl im Mund war beim Aufwachen unangenehm. Enno Piasta versuchte, die Zunge zu bewegen, um es loszuwerden. Aber es gelang ihm nicht. Sein Kopf fühlte sich wie in Watte verpackt an. Dann wurde ihm schlagartig klar, dass er wirklich etwas Pelziges im Mund hatte. Er spuckte es aus und öffnete gleichzeitig die Augen. Mit den Fingern wollte er Flusen aus dem Mund holen, aber er trug ebenfalls pelzige Handschuhe. Oder es waren seine eigenen Hände und über Nacht waren ihm blaue Haare gewachsen.

Sein Gehirn kam in die Gänge und er identifizierte den blauen Pelz an den Händen als Plüschhandschuhe, die er problemlos abstreifen konnte.

Piasta schaute sich um. Sein Blickfeld war eingeengt, so als ob er Drogen genommen hätte. Er war in einem Zimmer mit kahlen, beigegestrichenen Wänden und einem dunkelbraunen Teppichboden. Es gab ein Fenster und durch die heruntergelassenen Rollläden konnte er erkennen, dass es draußen hell war. Er saß auf dem Teppichboden mit dem Rücken gegen die Wand. Dann merkte er, dass er eine Art Plüschhelm trug, der ihm die Sicht einengte. Er konnte ihn ausziehen und stellte fest, dass es eine Krümelmonster-Maske war, die ihn aus großen Tischtennisball-Augen anstarrte. Überhaupt erkannte er jetzt, dass er ein Krümelmonster-Kostüm trug. Er hatte es vorher noch nie gesehen. Neben ihm lag eine leere Flasche Wodka. Das konnte seinen Zustand erklären.

Als Piasta aufstand, bemerkte er, dass zwischen ihm und der Wand noch ein Mann lag. Er trug einen Schottenrock und alles andere, was zu einer schottischen Tracht gehörte. Allerdings war sein Kilt hochgeschlagen und Piasta bemerkte, dass der Mann keine Unterhose trug und ihm seine Morgenlatte entgegenstreckte. Piasta wandte sich angewidert ab. Zwei weitere Männer schliefen im Zimmer. Einer trug ein Goofy-Kostüm, bei dem der Kopf halb abgerissen herunterhing. Er lag quer über einem schmalen Gästebett. Piasta drehte seinen Kopf, um das Gesicht des Mannes besser sehen zu können. Dabei wurde ihm fast schlecht. Den Mann selbst hatte Piasta noch nie zuvor gesehen.

Der vierte Mann im Zimmer trug ein fleischfarbenes Oberteil aus Nylon, in das muskelsimulierende Polster eingenäht waren. Dazu eine Badehose. Der Slawenhaken des Mannes kam Piasta bekannt vor, aber er konnte sich nicht genau erinnern.

Er stand auf und inspizierte den Rest der Wohnung. Insgesamt lagen dort zwölf Männer in ähnlichem Schlafzustand in der Wohnung. Sie alle waren unterschiedlich verkleidet. Manche kamen ihm bekannt vor, andere nicht. Piasta schaute durch die Rollladenschlitze hinaus und sah, dass er in einer ihm unbekannten Vorortstraße war. Er wollte so schnell wie möglich weg.

Im Schlafzimmer öffnete er den Kleiderschrank und musste dafür einen Mann im blauen Super Mario-Overall beiseiteschieben. Der Mann grunzte nur und schlief weiter. Im Schrank fand Piasta eine Jeans und ein weißes Hemd, die glücklicherweise seine Größe hatten. Er stieg aus dem Krümelmonster-Kostüm, zog sich um und verließ, so schnell er konnte, die unbekannte Wohnung.

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