(219) Bobbys Kastration war erfolgreich verlaufen.

von Alain Fux

Bobbys Kastration war erfolgreich verlaufen. Der Hund war zwar noch etwas groggy, als Patrick ihn danach wieder sah, aber die Tierärztin meinte augenzwinkernd, dass er schon in Kürze wieder der alte sein würde. Sie gab Patrick noch ein paar Tipps, wie er mit dem Verband umgehen sollte und dann konnte er Bobby in seinem Körbchen wieder mitnehmen.

Als sie mit dem Wagen nach Hause fuhren, lag Bobby in seinem Körbchen auf dem Beifahrersitz. Er winselte leise. Patrick wollte dem Hund den Kopf tätscheln, zog den Arm aber jäh zurück, als Bobby ihm in die Hand biss. Es war zwar kein starker Biss und es blutete auch nicht, aber er hatte nach Patrick geschnappt. Erschrocken schlug Patrick dem Hund auf die Schnauze. Bobby duckte sich und knurrte. Wenn das eine Vorschau auf das Leben nach der Kastration war, dann würde es ja noch spaßig werden, dachte Patrick.

Auf dem Weg nach Hause kam Patrick an den Studios von Tivoli & Splendid Productions vorbei. Direkt neben dem Gelände bemerkte er vor einer Kurve einen Stau. Ein gutes Dutzend Autos hielten vor ihm. Normalerweise gab es hier nie Verkehrsprobleme, es war ein Schleichweg, den nur Eingeweihte kannten und mit dem man gerade Staus vermied. Die Fahrer aus den Autos vor ihm waren ausgestiegen und standen an der Kurve. Neugierig machte Patrick den Motor aus und stieg ebenfalls aus. Bobby schien wieder zu dösen.

Als er in die Kurve hineinschauen konnte, erkannte Patrick den Grund für den Stau. Ein Sattelschlepper versperrte die Straße und darauf lag die riesige Skulptur einer nackten Frau. Sie war bestimmt zehn Meter hoch und lag bäuchlings auf der Ladefläche, abgestützt durch Holzblöcke und Unmengen an Schaumstoff. Die Skulptur schien aus Marmor zu sein. Über dem Sattelschlepper ragte ein Kran aus dem Studiogelände herüber. Männer standen neben der Frau und wollten die Skulptur an den Haken des Krans hängen. Neben ihr sahen sie aus wie Liliputaner. Gurte waren der Skulptur über Kreuz vor den Brüsten gespannt und im Rücken bildeten sie eine Schlaufe, in die der Haken eingehängt wurde.

Auf ein Kommando eines Arbeiters straffte sich das Seil und die Frau wurde mühelos angehoben. Nachdem sie an allen Stellen den Kontakt mit den Stützblöcken verloren hatte, stoppte der Hubvorgang und die Arbeiter inspizierten die Unterseite. „Das sind Möpse!“, meinte der Fahrer neben Patrick bewundernd. „Aber leider kalt wie Marmor“, kommentierte ein anderer. „Quatsch, das ist Fiberglas, das ist doch Kintopp“, sagte ein dritter. Der Arbeiter gab wieder ein Kommando und jetzt hob die Skulptur recht schnell an. Wie eine Superheldin überflog sie die Bäume, die das Studiogelände hinter der Mauer umsäumten und dann senkte sich die Skulptur wieder und war verschwunden. Der Fahrer des Sattelschleppers machte sich bereit zur Abfahrt und Patrick ging zurück zu seinem Wagen. Erst als er eingestiegen war, bemerkte er, dass Bobbys Körbchen leer war. Er war auch nicht im Wagen. Patrick stieg aus und schaute umher, konnte den Hund aber nicht finden. Ungeduldige Fahrer hupten hinter ihm. Patrick war ratlos, was er jetzt machen sollte.

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