(218) Warum schaut mich Bobby in letzter Zeit so seltsam an?

von Alain Fux

„Warum schaut mich Bobby in letzter Zeit so seltsam an? Es ist irgendwie unheimlich. „Astrid schaufelte noch ein paar Tomatenviertel auf Patricks Teller. Patrick schaute auch zu Bobby, der im Wohnzimmer in seinem Korb lag. In der Tat, er starrte zu ihnen herüber. „Es ist mir auch schon aufgefallen“, sagte Patrick. „Als ich letztens mit ihm zum Zeitungskiosk ging, ertappte ich ihn dabei, wie er mich ganz fies anschaute.“ Sie aßen weiter. Hin und wieder schauten sie zu Bobby hinüber, der sie nicht aus den Augen ließ. „Vielleicht plant er ja, die Weltherrschaft an sich zu reißen. So wie Blofeld.“ – „Wer ist Blofeld?“, fragte Astrid. „Dieser Oberschurke bei James Bond. Ernst Stavro Blofeld. Wurde von Telly Savalas, Donald Pleasence, Max von Sydow und Charles Gray gespielt.“ – „Ach jetzt… Das ist der mit der weißen Katze auf dem Arm.“ – „Ja genau. Aber ich glaube nicht, dass Bobby sich mit einer Katze vergnügen würde, wenn er die Welt übernimmt.“ – „Was meinst du, wird er mit uns machen, wenn er alles unter seiner Kontrolle hat?“ – „Weiß nicht. Eigentlich hat er es ja gut bei uns. Er soll froh sein, dass er die Welt nicht kontrollieren muss. Das wäre doch ein anstrengender Job für einen kleinen Hund.“ – „Stimmt. Er schafft ja kaum zehn Meter, ohne an hundert verschiedenen Stellen zu schnüffeln. Wie soll das erst werden, wenn er ständig in der ganzen Welt unterwegs wäre?“ – „Nicht auszudenken.“

Sie aßen weiter schweigend. Bobby hatte sie im Blick.

„Vielleicht sollten wir Bobby kastrieren lassen“, sagte Patrick. „Wirklich? Du warst doch vehement dagegen.“ _ „Vielleicht hatte ich unrecht. Es ist ja möglich, dass er wirklich eifersüchtig und damit aggressiv wird. Ich denke, eine Kastration würde helfen, dass er sich mehr entspannt.“ – „Ich bin einverstanden. Bei uns zuhause waren alle Hunde kastriert. Mein Vater sagte immer, das mache sie gefügiger. Aber du wolltest nicht.“ – „Gut, dann lassen wir es machen. Dann ist es Schluss, Bobby. Dann machst du hier nicht mehr den Blofeld.“ – „Fährst du mit ihm zum Tierarzt?“ – „Ich dachte, du hättest da mehr Routine.“ – „Nein, das ist Männersache. Das machte immer mein Vater.“ Patrick schien sich nicht so wohl zu fühlen, bei dem Gedanken, Bobby dem Tierarzt zuzuführen. „Du brauchst es ja nicht selbst zu machen. Gehst mit ihm hin. Beruhigst ihn, übergibst ihn und holst ihn wieder ab danach.“ – „Ja, ok. Ich mache es ja.“

Sie waren fertig mit Essen. Astrid räumte Teller und Besteck ab und trug sie in die Küche. Als sie zurückkam, fragte sie: „Und wann machst du das?“ – „Mein Gott, Astrid, du scheinst es ja nicht mehr erwarten zu können.“ – „Er ist mir unheimlich, wie er daliegt und uns anstarrt. Ich will, dass etwas passiert. Deshalb will ich von dir wissen, wann du es machst. Da ist doch nichts dabei. Es geht ja nicht um deine Eier!“ – „Soweit kommt es auch noch“, antwortete Patrick. „Meine Eier gehören mir!“

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