(215) Es war Patrick Schefflers 31. Geburtstag.

von Alain Fux

Es war Patrick Schefflers 31. Geburtstag. Die Party mit Freunden war für Samstag geplant, aber dieser Abend gehörte seiner Lebensgefährtin, Astrid Köhler. Sie hatten schon Sekt getrunken und er hatte seine Geschenke ausgepackt. Als Krönung hatte sie sich noch etwas für ihn aufgehoben: sich selbst in aufreizender Verpackung. Geheimnisvoll hatte sie Patrick gesagt, dass er sich nicht vom Sofa rühren durfte. Dabei hatte sie die Hand auf seinen Schritt gelegt und definitiv seine Aufmerksamkeit erhalten. Im Bad zog sie von ganz unten aus dem Wäschekorb die Einkäufe, die sie vor Patrick versteckt hatte: eine weiße Satinkorsage und einen Minirock aus schwarzem glänzenden Leder. Dazu weiße halterlose Netzstrümpfe und spitze Lederstiefel, die sie bereits gehabt hatte. Keine Unterhose. Das würde ihn so richtig in die Gänge bringen, erwartete sie. Die Vorhänge im Wohnzimmer hatte sie schon zugezogen, denn sie wollte die Show ja nicht den Nachbarn bieten.

Nachdem sie ihren Lippenstift aufgefrischt und sich beduftet hatte, betrachtete sie sich im Spiegel. Natürlich würde sie so nicht auf die Straße gehen, aber das war ja nicht der Zweck der Sache. Sie nahm noch einmal den Sprühflacon und spritzte sich eine Wolke Eau de Toilette unter den Rock. Es prickelte. Das hatte sie noch nie gemacht und es fühlte sich verrucht an.

Bevor sie aus dem Bad trat, sagte sie Patrick, dass er die Augen schließen müsse. Sie löschte das Deckenlicht im Wohnzimmer. „Halte die Augen geschlossen, ja!“ – „Ja“, murmelte er, erregt wie ihr schien. Sie knipste eine weitere Stehlampe an, damit es schummrig, aber nicht zu dunkel war. Dann legte sie eine CD mit Lounge Musik in das Abspielgerät. Als die Musik spielte, stellte sie sich vor ihn und sagte, dass er die Augen öffnen sollte.

„Wow“, waren seine ersten Worte und sie hatte auch nichts anderes erwartet. Er wollte die Hände nach ihr ausstrecken, aber sie wehrte sich. „Nicht anfassen!“, befahl sie. „Noch nicht.“ Sie tanzte vor seinen Augen und bewegte sich so, dass er erkennen konnte, dass sie unter dem Minirock nichts trug. Als er erregt genug war, kniete sie sich auf ihn, griff seine Handgelenke und presste seine Hände gegen die Sofalehne. Sie rieb ihr Becken an seinem Schoß und küsste ihn dann.

In diesem Augenblick fing Bobby an zu heulen. Er stand an der Wohnungstür und schaute vorwurfsvoll zu ihr herüber. Bobby war ihr Hund, ein Straßenköter aus dem Tierheim. Eine Mischung aus Jack Russell-Terrier und Pudel. „Aus, Bobby!“, rief Astrid scharf. Aber Bobby hörte nicht auf. Sie versuchte es noch einmal – wieder kein Effekt. Am Ende war die Stimmung weg. Sie hatten schon einmal Bobby nicht ernst genommen, als er, an einem eisigen Winterabend, noch einmal vor die Tür wollte. Damals hatte er auf den Teppichboden gekackt. Das wollten sie nicht riskieren.

Es war klar, dass Astrid in dem Outfit nicht auf die Straße gehen konnte und so musste Patrick sich aufraffen. „Ich mache schnell“, sagte er. Allerdings hing die Geschwindigkeit nicht von ihm ab, sondern von Bobby. Astrid war ziemlich sicher, dass sie nach Patricks Rückkehr für eine Wiederholung ihrer Darbietung zu müde sein würde.

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